Menstruation, Mutterschaft und Menopause: ’Frauen arbeiten - und ihr Körper auch’

Die Psychologin Theresa Tschauko forscht an der Abteilung für Organizational Behavior & Human Resource Management zur Frage, wie sich die unterschiedlichen Gesundheitsphasen von Frauen auf ihr Arbeitsverhalten auswirkt. Das Fazit ihrer bisherigen Arbeiten: Frauen arbeiten - auch wenn es wehtut.

Theresa Tschauko untersucht in ihrer Dissertation, wie die damit einhergehenden Fragen der Frauengesundheit das Arbeitsverhalten beeinflussen. -Mich interessiert vor allem das Anwesenheitsverhalten, also Präsentismus und Absentismus. Kommen Frauen auch mit Schmerzen in die Arbeit oder bleiben sie zuhause? Und wem im Unternehmen legen sie die Symptome ihrer Beschwerden offen?-, so Theresa Tschauko. -Für viele Menschen ist das Thema stark stigmatisiert, der logische, kulturell und sozial geprägte Schluss für viele Frauen ist also, trotz ihrer Beschwerden zur Arbeit zu kommen. Und wenn nötig, mit starken Schmerzmitteln weiterzumachen.-

Um ihrer Forschungsfrage auf den Grund zu gehen, hat Theresa Tschauko kürzlich eine Längsschnittstudie zur -Menstruation am Arbeitsplatzdurchgeführt. Befragt wurden dabei Frauen nach ihrem Präsentismusverhalten, nach Schmerzen und Zyklusdauer, danach, wem sie ihre Probleme offenlegen und ob es von Seiten des Arbeitgebers Druck gäbe, auch krank zur Arbeit zu kommen. Noch sind ihre Ergebnisse nicht veröffentlicht, einen kleinen Einblick kann Theresa Tschauko aber bereits geben: -Die meisten Frauen gehen trotz Beschwerden zur Arbeit. Und für viele Frauen ist die Frage der Offenlegung der gesundheitlichen Probleme innerhalb des Unternehmens ein wichtiges Thema.-

Theresa Tschaukos Forschung war bisher auf europäische Länder wie Deutschland, Österreich oder die Niederlande fokussiert. Aus Arbeiten anderer Wissenschaftler:innen weiß sie aber, dass das Thema in anderen Ländern noch stärker tabuisiert wird. -Die Stigmatisierung gibt es bei uns aber auch. Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Frauen trotz Beschwerden arbeiten und sehr viel Arbeit, bei gleichzeitig starker Belastung durch zum Beispiel Care-Verpflichtungen, leisten-, so Theresa Tschauko, und weiter: -Frauen setzen ihre Stärken so ein, dass es trotz gesundheitlicher Herausforderungen nicht zu Produktivitätsverlusten kommt.-

Ihre Arbeit verfasst Theresa Tschauko im Rahmen ihrer Stelle als Universitätsassistentin am Institut für Management in der Forschungsgruppe von Heiko Breitsohl, die sich umfassend mit Fragen von Präsentismus - also dem Phänomen, auch krank zu arbeiten - beschäftigt. Theresa Tschauko hat an der Universität Klagenfurt Psychologie studiert und hier auch ihr Psychotherapeutisches Propädeutikum abgeschlossen. Seit Dezember 2023 ist sie als Universitätsassistentin angestellt; gleichzeitig absolviert sie aktuell eine Ausbildung in Sportpsychologie. Als Doktorandin im Young Scientist Mentoring der Universität Klagenfurt war sie zuletzt für einen Forschungsaufenthalt bei Alexandra Sasha Cook an der Universiteit van Amsterdam in den Niederlanden.
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Wann haben Sie zuletzt mit jemandem außerhalb der Wissenschaft über Ihre Forschung gesprochen?

Das letzte Mal war mit meinen Ausbildungskolleg:innen aus der Sportpsychologie - aber eigentlich spreche ich ständig darüber. Das Thema interessiert vor allem Frauen direkt und öffnet immer eine große Diskussion.

Was machen Sie im Büro morgens als Erstes?

Computer anschalten, Kaffee machen, To-Do-Liste durchgehen und den Tag planen.

Wer ist für Sie die größte Wissenschaftler:in der Geschichte und warum?

Ich bewundere keine einzelne Wissenschaftlerin, sondern einige, deren Arbeit für mich besonders relevant ist - Forscherinnen, die strukturelle Tabus sichtbar machen und dabei methodisch gut arbeiten. Besonders beeindruckt mich Alicia A. Grandey, die zeigt, wie stark unsichtbare Anforderungen wie emotionale Arbeit die Gesundheit von Frauen beeinflussen. Kathleen Riach hat mit ihrer Forschung zu Menopause und Ungleichheit am Arbeitsplatz Maßstäbe gesetzt. Ebenso inspiriert mich Sasha Cook, die deutlich macht, dass Gesundheit am Arbeitsplatz nicht nur ein individuelles, sondern auch ein organisationales und gesellschaftliches Thema ist.

Was bringt Sie in Rage?

Unfaire Machtstrukturen.
Herablassendes Verhalten in der Wissenschaft.
Wenn gute Arbeit nicht gehört wird, weil Hierarchien lauter sind als Argumente.
Und wenn Frauenkörper entweder tabuisiert oder trivialisiert werden.

Und was beruhigt Sie?

Ein funktionierender R-Code, Sport und Gespräche mit Kolleginnen, Freundinnen und meiner Familie

Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an Ihre Arbeit zu denken?

Wenn ich ehrlich bin, eigentlich nie. Ich denke zwar nicht ständig daran, aber mein Kopf arbeitet immer weiter - weil mich mein Thema wirklich begeistert und es so lebensnah ist, dass man ständig damit konfrontiert wird.

Wovor fürchten Sie sich?

Abhängigkeit von unfairen Strukturen und dass Engagement und Wille nicht ausreichen.

Worauf freuen Sie sich?

Gerade auf vieles - unter anderem auf den Besuch von Sasha Cook an unserer Universität, auf den Sommer und auf ein paar gute Tennismatches.

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