Seit März 2010 hat ?nci Dirim die Professur für Deutsch als Zweitsprache am Institut für Germanistik inne, damit war sie österreichweit die erste in in diesem Bereich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, Erwerb des Deutschen als Zweitsprache und Schulbildung in der Migrationsgesellschaft. (Foto: Universität Wien)
?nci Dirim ist Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Wien. Ihre Arbeitshypothese: Alle, die in Österreich leben möchten, wollen auch Deutsch lernen. Mit uni:view spricht sie über Sprachanforderungen an geflüchtete Menschen und die Verantwortung der Bildungspolitik. uni:view: "Flüchtlinge" oder "Refugees" - die Diskussionen und Begriffe rund um Flucht und Asyl sind politisch aufgeladen. Welchen Begriff verwenden Sie, wenn es um geflüchtete Personen geht? 'nci Dirim: Ich spreche häufig von "Flüchtenden", um zum Ausdruck zu bringen, dass die Menschen nicht angekommen sind. Bei dem gängigen Begriff Flüchtling ist das Suffix "-ling" problematisch: Neuling, Feigling, Schwächling - solche Wortkreationen haben oft einen abwertenden Beigeschmack. uni:view: Flüchtende kommen nach Österreich - vor welchen sprachlichen Herausforderungen stehen sie? Dirim: Flüchtende benötigen Deutsch im Alltag, bei Behördengängen oder im Asylverfahren. Aus meiner Arbeit zur Situation von Kindern und Jugendlichen weiß ich, dass die deutsche Sprache in der Schule enorm wichtig wird. Denken wir an einen Teenager aus Syrien, der auf Arabisch unterrichtet wurde und gute Leistungen erbracht hat. An der Wiener Schule werden dann deutsche Fachtermini und bildungssprachliche Strukturen des Deutschen vorausgesetzt - nicht nur im Deutsch-, sondern auch im Fachunterricht. Wir haben ein - bis auf wenige Ausnahmen - monolingual deutschsprachiges Bildungssystem, das es Flüchtenden schwer macht, Fuß zu fassen. uni:view: Sprachkenntnisse sollen Voraussetzung für soziale Hilfe für Flüchtende sein, Stichwort: "Ohne Deutsch keine Wohnung" , wie eine Schlagzeile in den "Salzburger Nachrichten" kürzlich lautete. Was sagen Sie als DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Expertin zu diesen "Maßnahmen"?
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