Blutgerinnungstests bei Leberzirrhose: Studie stellt deren bisherige Interpretationen in Frage

Leberzirrhose hat neben anderen Komplikationen auch Veränderungen des Blutgerinnungsystems zu Folge, die sich in Labortests in einem Ungleichgewicht zweier Blutgerinnungsparameter zeigt. Bisher wurde diese Dysbalance mit einer erhöhten Gerinnungsneigung des Bluts und damit der Gefahr für Blutgerinnsel (Thrombosen) in Zusammenhang gebracht. In einer aktuellen Forschungsarbeit an der MedUni Wien werden diese Interpretationen nun widerlegt. Die Studie des wissenschaftlichen Teams um Mattias Mandorfer (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien) wurde kürzlich im renommierten Journal of Hepatology publiziert.

Leberzirrhose bezeichnet den narbigen Umbau von Lebergewebe - als Folge kann das Organ seine lebenswichtigen Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen. Somit ist die Leberzirrhose eine schwerwiegende Erkrankung, die laborchemisch unter anderem durch abnorme Blutgerinnungstests auffällt. Normalerweise stehen Faktoren der Blutgerinnung und Blutgerinnungshemmung im Gleichgewicht, um für die Blutstillung bei Verletzungen einerseits und die Verhinderung von Blutgerinnseln (Thrombosen) andererseits zu sorgen.

Bei PatientInnen mit Leberzirrhose kann in diesem System mitunter ein Ungleichgewicht vorliegen. Konkret kann im Blut der Betroffenen das Verhältnis zwischen dem blutgerinnungsfördernden Faktor VIII und dem blutgerinnungshemmenden Protein C aus dem Lot geraten sein. Diese Dysbalance wurde von der Forschung bisher mit einer erhöhten Gerinnungsund damit Thromboseneigung assoziiert. Zudem nahm man an, dass das erhöhte Gerinnungspotenzial des Bluts das Fortschreiten der Lebererkrankung vorantreiben könnte. Ob das Verhältnis der beiden Blutwerte (Faktor VIII und Protein C) jedoch wirklich das Gerinnungspotenzial des Bluts abbildet und ob hohe Werte daher mit Thrombosen in Zusammenhang stehen, wurde bisher nur unzureichend untersucht.

Thromboseneigung nicht erhöht Diese Fragestellung hat nun ein wissenschaftliches Team um Mattias Mandorfer von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien erforscht. Das Ergebnis der Studie stellt die bisherigen Interpretationen von Blutgerinnungstests bei Leberzirrhose in Frage. Denn wie die Erstautoren der Studie Bernhard Scheiner und Lorenz Balcar betonen, erlaubt das Verhältnis von Faktor VIII und Protein C bei PatientInnen mit fortgeschrittener Lebererkrankung keine Aussage über das Vorliegen einer Thromboseneigung.

-Der Quotient aus Faktor VIII und Protein C nimmt mit der Schwere der Lebererkrankung zu und kann Komplikationen der Erkrankung vorhersagen. Letzteres dürfte dadurch zu erklären sein, dass dieser Mechanismen wie Entzündung, Lebervernarbung und Kreislaufprobleme abbildet, welche ursächlich für das Auftreten der bedrohlichen Komplikationen der Leberzirrhose sind. Ein direkter Zusammenhang mit dem Gerinnungspotenzial des Bluts besteht jedoch nicht-, erklärt Mattias Mandorfer. -Das Verhältnis aus Faktor VIII und Protein C könnte in Zukunft dabei helfen, das individuelle Komplikationsrisiko von PatientInnen mit Leberzirrhose besser einzuschätzen-, fasst Mandorfer das Ergebnis der aktuellen Studie zusammen, die in Kooperation mit Ton Lisman von der Universität Gröningen (Niederlande) durchgeführt wurde.

Factor VIII/protein C ratio independently predicts liver-related events but does not indicate a hypercoagulable state in ACLD.
Scheiner B*, Balcar L*, Nussbaumer RJ, Weinzierl J, Paternostro R, Simbrunner B, Hartl L, Jachs M, Bauer D, Stättermayer AF, Semmler G, Pinter M, Ay C, Quehenberger P, Trauner M, Reiberger T, Lisman T, Mandorfer M.
*Geteilte Erstautorenschaft


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