Die Russisch-Orthodoxe Kirche steht im Zentrum von Kristina Stoeckls Forschung. (Foto: Pixabay/David Mark)
Die Netzwerke der Russisch-Orthodoxen Kirche wird die Soziologin Kristina Stoeckl in den nächsten sechs Jahren genauer untersuchen. Ziel ist eine neue, postsäkulare Konflikttheorie, für ihr Vorhaben wird die Forscherin vom European Research Council (ERC) gefördert. Wer mit Religion argumentiert, hat in aufgeklärten westlichen Gesellschaften meist einen schweren Stand: Vermeintlich rückständige Argumentationsmuster in gesellschaftspolitischen Fragen werden rasch unter den Tisch gekehrt. ,,Wenn religiöse Bürger religiöse Gründe nicht nennen dürfen, sind sie am Meinungsbildungsprozess zu bestimmten Themen nicht gleichberechtigt beteiligt", sagt Dr. Kristina Stoeckl. Die Soziologin leitet ein sowohl vom FWF mit einem START-Preis als auch vom ERC mit einem Starting Grant ausgezeichnetes mehrjähriges Projekt, in dem sie eine postsäkulare Konflikttheorie ausarbeiten will. ,,Die postsäkulare Gesellschaft nach Jürgen Habermas geht von einer gleichberechtigten Teilhabe von säkularen und religiösen Akteuren am öffentlichen Diskurs aus", erklärt Stoeckl. Gerade bei gesellschaftspolitisch umstrittenen Fragen findet dieser Diskurs weltweit statt, allerdings unter unterschiedlichen Vorzeichen: Die Gleichstellung der Geschlechter, Rechte von homosexuellen Menschen, künstliche Befruchtung und Abtreibung sind in vielen Ländern Reizthemen und beschäftigen regelmäßig auch supranationale Gerichte, etwa den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, und internationale Institutionen wie den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.
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