Die Wissenschaftler entnehmen Bohrkerne aus Seen, um dort nach Spuren vergangener Erdbeben zu suchen. (Foto: Florian Kober)
Seeböden dienen Geologen als Archiv, um die Geschichte der Erde zu rekonstruieren. Durch die Analyse aquatischer Bohrkerne will Michael Strasser wichtiges Datenmaterial sammeln, um das Wissen über Erdbeben zu erweitern und einen ersten Schritt in Richtung ihrer Prognostizierbarkeit zu gehen. ,,Wenn ich die Prognose von Erdbeben mit Wettervorhersagen vergleiche, befinden wir uns derzeit in der Phase, als man begann, erste Wetterballons steigen zu lassen", erklärt Michael Strasser, seit 2015 Professor für Sedimentgeologie an der Uni Innsbruck. ,,Die heutigen, relativ sicheren Wetterprognosen sind nur möglich, weil wir durch hunderte Sensoren permanent wissen, in welcher Höhe welcher Druck und welche Luftfeuchtigkeit herrschen. Wettervorhersagen haben sich in den letzten 3-400 Jahren von einfachen Bauernregeln zu dem entwickelt, was wir heute kennen." Auch wenn wir seiner Ansicht nach noch nicht in den nächsten 20 Jahren von der Prognostizierbarkeit von Erdbeben profitieren werden, ist Michael Strasser davon überzeugt, dass das Sammeln von Daten über vergangene und kommende Erdbeben, ein Prognosemodell ermöglichen wird. Um diese Daten zu erhalten, bedient sich der Geologe an einem Archiv, das in Seeund Meeresböden zur Verfügung steht: Er entnimmt subaquatische Bohrkerne, um in den Sedimenten nach Spuren von Erdbeben und Tsunamis zu suchen. ,,Vergleichbar mit Historikern, die alte Bücher studieren, haben wir Geologen gelernt, Sedimente zu lesen", erklärt Strasser.
TO READ THIS ARTICLE, CREATE YOUR ACCOUNT
And extend your reading, free of charge and with no commitment.