Evolutions-bedingte Verwechslung des Immunsystems könnte Ursache für Organversagen bei IntensivpatientInnen sein
Zumindest jede/r zweite IntensivpatientIn zeigt ein 'Systematic Inflammatory Response Syndrome' (SIRS). Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das einer Sepsis ähnelt, ohne dass dabei eine bakterielle oder durch Pilze hervorgerufene Infektion nachweisbar ist. Bisher war die genaue Ursache dieses Syndroms unbekannt. ForscherInnen der Universitätsklinik für Innere II der MedUni Wien haben nun eine mögliche Ursache dieser 'Schein-Sepsis' entdeckt: Mitochondrien, die etwa nach einem Kreislaufversagen oder Herzstillstand in das Blut gelangen, werden vom Immunsystem mit Bakterien verwechselt und bekämpft. Die Erklärung dafür liegt rund 1,5 Milliarden Jahre zurück und fußt auf der so genannten Endosymbiontentheorie. Die Endosymbiontentheorie besagt, dass sich einzellige Lebewesen im Laufe der Evolution zu einer Symbiose zusammengeschlossen haben und so zu einem höheren Lebewesen wurden (Endosymbionten). In diesem Fall nahmen Einzeller Bakterien auf und diese wurden zu deren Mitochondrien, die auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet werden, weil in ihnen das energiereiche Molekül Adenosintriphosphat gebildet wird.

