Corona-Kosten
Wie sprengen wir den Schuldenberg? Finanzwissenschafter Richard Sturn skizziert, wie Staaten die vielen Milliarden im Minus auch nützen könnten. Koste es, was es wolle. Die Pandemie hat das Füllhorn geöffnet. Die Regierung lässt Milliarden regnen - scheinbar ohne Limit. Endlos die Staatsschulden, die sich bereits zu gigantischen Bergen angehäuft haben. Werden wir diese jemals abbauen können? Nicht unbedingt notwendig, sagt Finanzwissenschafter Richard Sturn. Denn Kredit statt Credo ,,Null-Defizit" kann durchaus sinnvoll sein. Entscheidend sei es, die Verteilungsfrage der Corona-Kosten zu beantworten. Wie der Leiter des Graz Schumpeter Centre der Universität Graz die Zukunft öffentlicher Haushalte einschätzt, erläutert er wie folgt: ,,Ich gehöre zu jenen, die das Mantra vom Null-Defizit relativieren, unabhängig von der Corona-Pandemie. Kluge Volkswirte wie Carl Christian von Weizäcker haben betont, dass eine solide Staatsverschuldung etwas Gutes sein kann. Ein gewisses Niveau an Verschuldung könnte für Länder wie Deutschland und Österreich gesund sein. Es würde Möglichkeiten für private AnlegerInnen schaffen. Denn es herrscht auf den Kapitalmärkten derzeit ein Anlage-Notstand. Schulden dürfen natürlich nicht die Handlungsfähigkeit eines Staates beeinträchtigen. Die Corona-Krise ist nur ein Teil der Entwicklung. In der Schuldenlast allein sehe ich nicht die Gefahr. Ebenso greift es zu kurz, auf isolierte, quantitative Indikatoren zu starren. Es geht darum, wie die Staaten die Verteilungsfrage klären - also wer wird für die entstandenen Kosten aufkommen?


