Wolfgang Fallmann (1937-2019) - ein Nachruf

Die Technische Universität Wien und das Institut für Sensorund Aktuatorsysteme trauern um Univ.-Prof. Dr.phil. Wolfgang Fallmann, der am 3. Februar 2019 verstorben ist.

Wolfgang Fallmann wurde am 4. Februar 1937 in Waidhofen an der Ybbs (NÖ) geboren. Nach dem Studium der Physik an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und der Promotion zum Doktor der Philosophie 1965 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Festkörperphysik der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft in Wien und später Assistent an der Lehrkanzel für Angewandte Physik des II. Physikalischen Instituts der Universität Wien. Im Jahr 1968 erhielt er den Theodor-Körner-Preis für Arbeiten auf dem Gebiet des akustoelektrischen Effektes.

Bei Forschungsaufenthalten in England (1969 ’ 1971, University of Sheffield und University of Newcastle upon Tyne) erwarb er wertvolle Erfahrung auf dem Gebiet der Halbleitertechnologie, die es ihm später erlaubten, mit dem Aufbau des ersten universitären Halbleiter-Technologielabors in Österreich Pionierarbeit zu leisten, ohne die wohl viele einschlägige Aktivitäten in Österreich, nicht nur auf akademischem Boden, sondern auch im industriellen Bereich, entweder gar nicht oder erst viel später entstanden wären.

Anfang der 1970er-Jahre wurden an österreichischen Universitäten mangels anderer Möglichkeiten Proben für Untersuchungen an Halbleitermaterialien mit heute steinzeitlich anmutenden Techniken präpariert. Der damalige Vorstand des Instituts für Allgemeine Elektrotechnik der Technischen Hochschule Wien, Prof. Fritz Paschke, hatte erkannt, dass reproduzierbare Ergebnisse nur durch Einsatz der in der Industrie längst etablierten, aber in Österreich auf Hochschulboden damals nicht verfügbaren mikroelektronischen Technologien zu erhalten wären. Es gelang ihm, Wolfgang Fallmann 1972 als Hochschulassistent an sein Institut zu holen und die Mittel für den Aufbau eines von Wolfgang Fallmann konzipierten Labors aufzutreiben.

Da damals Firmen mit ausreichenden Kompetenzen im Aufbau mikroelektronischer Einrichtungen entweder in Österreich nicht existierten oder ihre Leistungen mit den vorhandenen Mitteln nicht finanzierbar gewesen wären, baute Wolfgang Fallmann zusammen mit einigen von der Idee begeisterten Studierenden in mehrjährigem immensen Arbeitseinsatz zum größten Teil mit eigenen Händen das Labor und seine Infrastruktur auf, wobei sie auch vor unattraktiven und den üblichen Vorstellungen von akademischer Tätigkeit nicht unbedingt entsprechenden Arbeiten nicht zurückschreckten.

Der Einsatz lohnte sich: Am 13. März 1974 konnte das Labor eröffnet werden. Wolfgang Fallmann konnte sich nun seiner Habilitation widmen, die er 1976 mit der Habilitationsschrift "Beiträge zur Entwicklung von GUNN-Effekt-Bauelementen" abschloss. Kurz danach wurde er zum Ao. Universitätsprofessor ernannt.
Wolfgang Fallmann war über längere Zeiträume Leiter der Abteilung Mikroelektronik/Halbleitertechnologie und Vorstand des Instituts für Allgemeine Elektrotechnik und Elektronik der TU Wien, Präsident der Gesellschaft für Mikroelektronik, Leiter des Erwin Schrödinger Instituts für Lithographie-Forschung, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Erwin-Schrödinger-Gesellschaft für Mikrowissenschaften und Mitglied des wehrtechnischen naturwissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Landesverteidigung.

Auch nach seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand 2002 erfüllte er viele weitere verantwortungsvolle Aufgaben, wie z.B. die Organisation als Conference Chair der 31st International Conference on Microand Nano-Engineering (MNE) im Hofburg Conference Center im Jahr 2005. Wolfgang Fallmann war auch mehr als ein Jahrzehnt der Vertreter Österreichs in Steering Committees der MNE-Konferenzen, der VDE/VDI-GMM Europäischen Masken-Konferenzen und der Advanced Semiconductor Devices and Microsystems (ASDAM) Konferenzen. Nicht zuletzt war Wolfgang Fallmann auch im Redaktionskomitee der Informationstagung Mikroelektronik in Wien und als Mitglied des Planungsteams für das Mikrostrukturzentrum MISZ-Austria tätig.

Durch seine Tätigkeiten hat Wolfgang Fallmann die Halbleitertechnologie und Mikroelektronik hervorragend gefördert. Die von ihm eingeschlagene und konsequent vertretene Linie in Forschung und Lehre hat sich als sehr richtig und erfolgreich erwiesen, wie auch das kürzlich eröffnete neue Nanostrukturzentrum der TU Wien zeigt. Er verstand es auch, das Fachgebiet bei den Studierenden durch seine stets freundliche und hilfsbereite Wesensart populär zu machen. Mit seiner unvergleichlich bodenständigen Art gelang es ihm, über alle akademischen Hierarchieebenen hinweg jedem Gegenüber entgegenkommend empathisch, mit hoher Achtung und ohne eine Spur von überheblichkeit, zu begegnen. Seine präzise auf den Punkt treffenden, humorvollen und oftmals unkonventionellen Formulierungen waren geradezu legendär.

Mit Wolfgang Fallmann verliert die Technische Universität Wien einen ihrer profiliertesten Lehrer und Wissenschaftler und das Institut einen Kollegen und Freund mit höchsten menschlichen Qualitäten, in Vielem ein Vorbild für uns. Unser Mitgefühl gilt besonders seinen Angehörigen.

Foto: Thomas Blazina