Angesichts des Referendums über die Mitgliedschaft von Großbritannien in der Europäischen Union hat Gerda Falkner, Leiterin des Instituts für Europäische Integrationsforschung, einen Gastkommentar zur aktuellen Lage Europas verfasst. (Foto: Universität Wien)
In ihrem Gastbeitrag beleuchtet Gerda Falkner, die Leiterin des Instituts für Europäische Integrationsforschung der Universität Wien, die unmittelbaren Folgen und Herausforderungen des EU-Austritts Großbritanniens. Das knappe Votum der britischen BürgerInnen schafft im krisengeschüttelten Europa eine Menge zusätzlicher Herausforderungen. Selbst im Vereinigten Königreich löst der EU-Austritt per se erst einmal keines der zahlreichen thematisierten Probleme. Souveräner oder schwächer? Die erhoffte Souveränität, die letztlich als zentrales Argument der Austrittswilligen triumphiert hat, scheint in der globalisierten Welt höchst fragwürdig, denn auch außerhalb der EU befindet sich Großbritannien in einem dichten Netz an internationalen Abkommen, die viele Aspekte nationaler Politik berühren; zugleich hat man allein aber viel weniger Gewicht in der Mitgestaltung der globalen Entwicklungen. Bei der Migration kann Großbritannien nach einem Austritt tatsächlich leichter Grenzen ziehen - ob das Großbritannien wirklich gut tut, ist allerdings höchst strittig, und im Fall der Flüchtlinge stellen sich moralische Fragen nicht weniger dringend als zuvor. Mögliche Auswirkungen Die befürchteten ökonomischen Einbußen, die letztlich vergeblich vom "Bremain"-Camp angemahnt wurden, werden jetzt wohl vielen deutlicher vor Augen stehen als noch gestern: hohe Kosten des Austritts, geringeres Wachstum - außer, praktisch alle ökonomischen Prognosen hätten unrecht. Weiters droht ein Einbruch des Finanzmarkts - im schlimmsten Fall wird eine Wirtschaftsund Finanzkrise ausgelöst, was übrigens auch für die Eurozone eintreten könnte. Zusätzlich hat der populistische Charakter der Debatten vor der Abstimmung tiefe Gräben geschaffen, und regionale Spannungen stehen zwischen den mehr oder weniger EU-freundlichen Landesteilen bevor - mitsamt möglichen neuerlichen Abspaltungsversuchen. EU im Dilemma
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