Spermien und der Einfluss auf den Schwangerschaftserfolg
Das internationale Forschungsteam dokumentiert die Interaktion von Spermien mit Embryonen, die sich auf die Einnistung vorbereiten, und zeigt konkret den frühen biologischen Prozess der Fortpflanzung bei Rhesusaffen. Normalerweise werden Blastozysten durch eine Hülle, die sogenannte Zona pellucida, vor äußeren Einflüssen geschützt, doch vor der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter ,,schlüpft" der frühe Embryo aus dieser Schutzhülle. ,,Während dieses kritischen Zeitfensters können überzählige Spermien in die Blastozyste eindringen. Dies könnte ein evolutionäres Merkmal sein, das das Entwicklungsschicksal der Blastozysten beeinflusst", erklärt Thomas Kroneis vom Lehrstuhl für Zellbiologie, Histologie und Embryologie am Gottfried Schatz Forschungszentrum für zelluläre Signaltransduktion, Stoffwechsel und Altern, Med Uni Graz.Die Studie zeigt, dass zwischen 200 und 5.000 Spermien die Blastozyste im Einnistungsstadium erreichen können. Die Forscher*innen konnten sogar visuell nachweisen, dass intakte Spermienköpfe in die äußere Zellschicht, das sogenannte Trophektoderm, eingedrungen sind. ,,Ein solcher Eingriff könnte weitreichende Auswirkungen auf den Schwangerschaftserfolg haben, da Spermien - unabhängig von ihrer Herkunft - das Einnistungsvermögen der Blastozyste beeinträchtigen könnten. Blastozysten, die Schwierigkeiten haben, mit den eindringenden Spermien umzugehen, könnten anfälliger für Fehlschläge bei der Implantation sein", so Lehrstuhlinhaber Berthold Huppertz.
Neue Perspektiven auf den Fortpflanzungswettbewerb und die Gesundheit
Ein solches Phänomen könnte auch zu einem evolutionären ,,Konflikt" zwischen Spermien führen. Rivalisierende Spermien könnten das Scheitern der Einnistung fördern, um die Gene des erfolgreicheren Männchens zu bevorzugen. Dies könnte ein weiteres Beispiel für den Fortpflanzungswettbewerb im frühen Stadium der Embryonalentwicklung darstellen, der bereits bei anderen Tierarten beobachtet wurde.Das Forschungsteam stellt zudem die Überlegung an, dass der Zeitpunkt des Koitus und das Eindringen zusätzlicher Spermien in die Blastozyste einen entscheidenden Einfluss auf den Schwangerschaftserfolg haben könnten. Häufiger Koitus rund um die Zeit der Einnistung könnte möglicherweise die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft verringern, indem er die Entwicklung und die Einnistung der Blastozyste stört. ,,Dieser Hypothese sind bereits in der Vergangenheit Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen gefolgt, weshalb hier weitere Untersuchungen interessant wären", beschreibt Thomas Kroneis die weiterführenden Forschungsfragen.

