Den Wellen des Universums lauschen

Festredner Karsten Danzmann © AEI Hannover

Festredner Karsten Danzmann © AEI Hannover

Boltzmann Lecture 2018 der Universität Wien mit Physiker Karsten Danzmann

Karsten Danzmann gilt als Pionier eines neuen Zweigs der Astronomie: Gravitationswellen können uns Informationen über kosmische Ereignisse verraten, die mit herkömmlichen astronomischen Methoden nicht zugänglich sind. In der diesjährigen Boltzmann Lecture der Fakultät für Physik an der Universität Wien am Montag, 19. November 2018 um 17 Uhr teilt er im Festvortrag ,,Gravitational Wave Astronomy: Listening to the sounds of the dark universe!" seine Expertise mit allen Interessierten.

Für tausende Jahre haben Menschen mit ihren Augen ins Universum geblickt. Der Großteil des Weltalls ist jedoch nicht mit elektromagnetischen Wellen beobachtbar - er ist ,,dunkel". Karsten Danzmann gilt als Pionier eines neuen Zweigs der Astronomie, der auch diesen bis vor kurzem unerforschbaren Bereich erschließt: Die Gravitationswellenastronomie bedient sich winziger Verzerrungen der Raum-Zeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Diese Gravitationswellen können uns Informationen über kosmische Ereignisse verraten, die mit herkömmlichen astronomischen Methoden wie Radioteleskopen oder Röntgensatelliten nicht zugänglich sind.

Der bahnbrechende direkte Nachweis von Gravitationswellen im September 2015 durch die Advanced LIGO-Detektoren in den USA wurde 2017 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Der diesjährige Festredner der Boltzmann Lecture der Fakultät für Physik der Universität Wien, Karsten Danzmann, war federführend an der Entwicklung von Schlüsseltechnologien beteiligt, die diese Beobachtung ermöglichten.
Im Mittelpunkt seiner Forschung steht der Nachweis von Gravitationswellen mit Hilfe von Laserinterferometern auf der Erde und im Weltraum. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) und Professor an der Leibniz Universität in Hannover war maßgeblich an der Konzeption und Implementierung des erdgebundenen Gravitationswellendetektors GEO600 nahe Hannover beteiligt und leitet den europäischen Beitrag zur Realisierung des satellitengestützten Detektors LISA, der Gravitationswellenmessungen im Weltraum ermöglichen soll.

Im hochempfindlichen interferometrischen Detektor GEO600 vermessen Laser die Abstände zwischen frei aufgehängten Testmassen. Erreicht eine Gravitationswelle den Detektor, vergrößert und verringert diese die Abstände in einer charakteristischen Art und Weise. In der deutschen Großforschungsanlage werden neue Technologien entwickelt und untersucht, die auch für die Empfindlichkeit des LIGO-Observatoriums in den USA eine entscheidende Rolle spielen. Mit den Beobachtungen von Signalen verschmelzender schwarzer Löcher und Neutronensterne durch die LIGO-Detektoren haben WeltraumforscherInnen einen neuen Spürsinn erhalten. Nun können sie der dunklen Seite des Universums ,,zuhören". Welche Informationen WissenschafterInnen daraus gewinnen können, erläutert Karsten Danzmann in der Boltzmann Lecture 2018.

Freier Eintritt, Vortrag in englischer Sprache