Mediale Beiträge über Krisenbewältigung können Suizidrate verringern
Dass mediale Darstellungen von Suiziden zu Nachahmungen führen, ist in der Forschung als -Werther-Effekt- bekannt. Dass es auch umgekehrt funktioniert (Papageno-Effekt), konnte nun in einer Studie von Thomas Niederkrotenthaler am Zentrum für Public Health der MedUni Wien gemessen werden: Die nun im renommierten British Medical Journal veröffentlichte Analyse weist den Zusammenhang zwischen dem Hip-Hop-Hit -1-800-273-8255- des US-Rappers Logic und einem Rückgang an Suiziden in den USA um 5,5 Prozent im Beobachtungszeitraum nach. Der Hit aus dem Jahr 2017 thematisiert die tiefe Krise eines jungen, schwarzen, homosexuellen Mannes, der aufgrund von Diskriminierungen und Zurückweisungen seinem Leben ein Ende setzen will, dann aber zum Telefon greift und unter der Nummer 1-800-273-8255, der US-Suizidpräventionshotline National Suicide Prevention Lifeline, Hilfe erhält. Der Hip-Hop-Song war wochenlang unter den Top 3 der US-Charts und wurde auch bei den MTV Video Music Awards 2017 und Grammy Awards 2018 aufgeführt. Der enorme Erfolg schlug sich bei der US-Suizidpräventionshotline, die durch den Songtitel breite Bekanntheit erreichte, in einem deutlichen Anstieg an Anrufen von Menschen mit Suizidgedanken nieder. Messbarkeit durch große Verbreitung Derart messbaren Auswirkungen von medialen Darstellungen von Krisenbewältigung auf die Suizidrate ist der Suizidforscher Thomas Niederkrotenthaler am Zentrum für Public Health der MedUni Wien schon länger auf der Spur: -Experimentelle Studien, insbesondere auch von unserer Forschergruppe, legen nahe, dass Erzählungen von Menschen, die suizidale Krisensituationen bewältigt haben, die Suizidalität in der Bevölkerung verringern können.
