Wie verändert Künstliche Intelligenz die Erwartungen an Hochschulen, Studierende und Unternehmen? Dr. Robert Zniva, Head of Research an der FH Salzburg, spricht im Cash Handelsmagazin und im Regal Magazin über die Zukunft akademischer Bildung, digitale Kompetenzen und die Frage, warum Menschen immer klüger als Maschinen bleiben müssen - und wie das gelingen kann.
Die rasante technologische Entwicklung stellt Bildungsinstitutionen vor grundlegende Herausforderungen. Dr. Robert Zniva, Head of Research an der FH Salzburg, beleuchtet im aktuellen Gespräch, wie sich akademische Ausbildung verändern muss, um Studierende auf eine zunehmend digitale Arbeitswelt vorzubereiten - und welche Kompetenzen dafür entscheidend sind.
Mehr als Technologie: Warum Bildung ganzheitlicher werden muss
Während technologische Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen, sieht Zniva die Zukunft der Bildung nicht ausschließlich im technischen Know-how. Vielmehr gehe es darum, Studierende zu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen und interdisziplinär zu denken.
Nur wer die Kooperation zwischen Mensch und Maschine versteht, könne in einer von Automatisierung geprägten Welt erfolgreich sein.
Ein Beispiel sei der technologische Manager von morgen: ,,Dieser muss nicht nur Technologien bedienen können", erklärt Zniva, ,,sondern verstehen, wie Mensch und Maschine sinnvoll zusammenarbeiten."
Neue Anforderungen an Masterstudiengänge
Das Bologna-System eröffnet Flexibilität, dennoch betont Zniva, dass Masterprogramme künftig stärker vernetzt und modular aufgebaut sein müssen. Die zunehmende Verschmelzung einzelner Disziplinen, etwa zwischen Wirtschaft, Technik oder Datenwissenschaften, führe zu neuen Studienformaten, die spezifisches Wissen mit breiter Grundkompetenz kombinieren.
Ziel sei es, Studierende zu befähigen, in unterschiedlichen Bereichen anschlussfähig zu bleiben - und zugleich Raum für individuelle Spezialisierung zu bieten.
Ausbildungsangebote wie der Master Retail & Technology an der FH Salzburg greifen diese Entwicklungen bereits auf und vermitteln Studierenden die notwendige Kombination aus technologischen, analytischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten.
KI als Werkzeug - nicht als Ersatz
Ein zentrales Thema des Interviews ist der richtige Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Für Zniva steht fest:
"Der Mensch, der die KI benutzt, muss mindestens so schlau sein wie diese, sodass er das erzeugte Ergebnis bewerten und einordnen kann".
Ethische Verantwortung und kritisches Denken
Besonders in einer Welt, in der Tools wie ChatGPT oder Bildgeneratoren alltäglich geworden sind, brauche es kompetente Nutzerinnen und Nutzer, die Ergebnisse einordnen und bewerten können.
Die große Chance sieht Zniva darin, dass KI Routinearbeiten automatisiert und damit Kreativität und soziale Interaktion stärkt - vorausgesetzt, Bildungseinrichtungen vermitteln die dafür notwendige Urteilskraft.
Herausforderungen für Handel & Wirtschaft Zniva verdeutlicht auch, wie stark KI und Automatisierung den Handel verändern. Prozesse werden effizienter, Entscheidungen datengetriebener, Kundenerwartungen höher.
Unternehmen müssen sich daher darauf einstellen, dass Mitarbeitende künftig kombinierte Fähigkeiten benötigen: technologische Grundkenntnisse, aber auch Empathie, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, Maschinen zu steuern und deren Ergebnisse zu interpretieren.
,,Der Einsatz von KI kann Fluch oder Segen sein"
In seinem Gastkommentar im Regal Magazin, verweist Zniva darauf, dass KI keine neutrale Technologie ist. Ihr Einsatz kann Prozesse vereinfachen - oder zu Entfremdung und Effizienzdruck führen, wenn Menschen nur noch ,,am System entlang funktionieren".
Die entscheidende Frage ist daher: Welche Rolle soll der Mensch in einer KI-durchdrungenen Arbeitswelt spielen?
Zniva plädiert klar dafür, den Menschen ins Zentrum zu stellen und Technologie als unterstützendes Werkzeug zu begreifen - nicht als Ersatz.




