Silicon Austria: OÖ bringt Know-how in der Hochfrequenztechnik ein

Silicon Austria: OÖ bringt Know-how in der Hochfrequenztechnik ein

Oberösterreich bringt sein Know-how in der Hochfrequenztechnik in das neue Spitzenforschungszentrum für Mikroelektronik, Silicon Austria, ein.

Mit Silicon Austria bekommt Österreich ein Forschungszentrum auf Weltniveau, der Startschuss ist für Oktober angesetzt. Ziel der Initiative ist es, die im Land vorhandenen ausgezeichneten Kernkompetenzen in Bereichen der Mikroelektronik zu bündeln und gezielt auszubauen. Mit dem Zentrum soll Österreich höchste internationale Sichtbarkeit erreichen und an die Spitze in diesem Technologiesegment rücken. Drei Standorte mit unterschiedlichen Schwerpunkten - sogenannten Competence Leads - werden in Linz, Villach und Graz errichtet.
’Mit der Johannes Kepler Universität und international renommierten Unternehmen bzw. Weltmarktführern in diesem Technologiesegment kann Oberösterreich bereits Jahrzehnte an Erfahrung in der Entwicklung von Systemen in der Hochfrequenztechnik vorweisen. Unsere Forschungslandschaft bringt die optimalen Voraussetzungen für eine höchst erfolgreiche Mitarbeit mit. Das neue Zentrum ist eine erhebliche Chance, die Innovationskraft Oberösterreichs in diesem wichtigen Wirtschaftssegment weiter zu stärken und neue Top-Arbeitsplätze zu schaffen’, sagt Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer.
Neben Oberösterreich wird in Villach schwerpunktmäßig in den Bereichen ‘Sensorik und Sensorsysteme’ sowie ‘Leistungselektronik’ geforscht, Graz konzentriert sich auf den Bereich ‘System-Integration’. Insgesamt 280 Millionen Euro stellen das Infrastrukturministerium, die Bundesländer Steiermark, Kärnten und Oberösterreich sowie die österreichische Industrie für das Forschungszentrum zur Verfügung. Der Bund steuert 70 Millionen Euro bei, die Bundesländer gemeinsam die gleiche Summe. Die Industrie wird den Betrag aus öffentlichen Mitteln mit 140 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.
Das Zentrum soll in den kommenden Jahren insgesamt 500 neue Jobs in Österreich bringen. ‘In Oberösterreich werden in etwa 70 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Auf lange Sicht wird die Forschungsleistung des Zentrums erhebliche Skalierungseffekte bewirken. Die Entwicklungsarbeit wird in unserem Bundesland einen massiven Innovationsschub in strategisch wichtigen Technologiesegmenten wie Industrie 4.0 oder Autonomes Fahren bewirken. Zu erwarten ist, dass dadurch ’Global Player? aus der Industrie angezogen werden können und neue Forschungsund Entwicklungsaktivitäten am Innovationsstandort Oberösterreich entstehen’, fasst Stelzer die Perspektiven für die Zukunft zusammen.
Exzellente Kompetenzen
‘Exzellente Kompetenzen in der Forschung und Entwicklung, ein entsprechendes, international agierendes Unternehmensumfeld, die enge Vernetzung von Forschung und Wirtschaft, eine leistungsstarke Infrastruktur und hochmodernes Equipment bilden eine ausgezeichnete Basis dafür, den Competence Lead zum Thema Hochfrequenztechnik am Standort Oberösterreich zu etablieren’, betont Forschungsund Wirtschaftsreferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Michael Strugl.
Das Land OÖ wird allein für die Aufbauphase des Competence Leads zum Thema Hochfrequenztechnik in den nächsten 5 Jahren insgesamt 12,5 Mio. EUR zur Verfügung stellen. Direkt am Campus der JKU wird ein Open Innovation Center (OIC) errichtet. Kern des OIC wird die Pilotfabrik LIT Factory sein. Künftig werden hier auch Flächen für die Forschungsarbeit der Silicon Austria Labs zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll in Linz eine Innovationswerkstatt (CAP.fabricc) aufgebaut werden. Diese mit hochleistungsfähiger F&E-Infrastruktur ausgestattete Einrichtung soll zusätzlich zum Forschungsbetrieb der Silicon Austria Labs für z.B. Start-ups, Studierende, Erfinder, etc. zugänglich sein. Der Zugang zu moderner Infrastruktur soll die Gründung von High-Tech Start-ups erleichtern bzw. forcieren und einen neuen Innovationsschwung in der oö. Start-up Szene bringen.
Zu den treibenden Organisationen des Competence Leads Hochfrequenztechnik zählen vor allem das LIT der Kepler Universität sowie das neue COMET K2-Zentrum für Symbiotische Mechatronik an der Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM). OÖ hat eine starke, international agierende und forschungsaktive Unternehmensbasis im Bereich der Mikroelektronik. Mit einigen Key-Playern wurden erste Gespräche bezüglich Kooperation geführt. Dabei zeigt sich enormes Interesse der Unternehmen.
Für die laufenden Verhandlungen mit dem bmvit hinsichtlich inhaltliche, fachliche und rechtliche Details wurde der Upper Austrian Research GmbH die Projektkoordination seitens des Landes OÖ übertragen. In dieser Rolle wird die UAR in laufender Abstimmung mit der Abteilung Wirtschaft und Forschung in den Verhandlungen die Interessen des Landes OÖ sowie der oö. Stakeholder vertreten und alle Aktivitäten in Hinblick auf den Aufbau des Competence Leads koordinativ begleiten.
An der gemeinsamen Trägergesellschaft Silicon Austria Labs GmbH (mit Sitz in Graz) wird das Land OÖ mit 4,95 % beteiligt sein. Geplant ist, dass die Upper Austrian Research GmbH diese Anteile übernimmt und als Gesellschafter agiert. ‘Als Mitgesellschafter des Forschungszentrums wird die UAR nachhaltig bei der strategischen Weiterentwicklung mitwirken. Als Forschungsleitgesellschaft des Landes OÖ bringt die UAR die entsprechend erforderliche Expertise mit’, sagt Strugl.

V.l.: Johann Hoffelner (LCM), Rektor Lukas, LH Stelzer, LH-Stv. Strugl, Gschwandtner und Wilfried Enzenhofer (UAR)

Schlüsseltechnologie einer mobilen Gesellschaft
‘Weitgehend unsichtbar und unbemerkt: Hochfrequenztechnik, die sich mit elektromagnetischen Wellen beschäftigt, steckt als Schlüsseltechnologie in zahlreichen Innovationsthemen - vor allem dann, wenn Informationen drahtlos ausgetauscht werden’, erklärt der Rektor der Johannes Kepler Universität, Meinhard Lukas. Beispiele sind Rundfunk, Mobilfunk und WLAN für die Kommunikation, Radarsensoren für zukünftiges autonomes Fahren sowie hochaktuell die durchdringende, bildgebende Diagnostik mit Mikrowellen für medizinische (z.B. Brain Imaging) und technische Anwendungen. Zahlreiche Innovationsthemen wie Internet of Things (IoT), Industrie 4.0 (I4.0), Personenscanner, Umgebungssensoren oder Mobilfunk der nächsten Generation (5G/6G) mit dem Ziel vollständiger Vernetzung, von einfachsten Sensoren bis zum hunderte Gbit/s schnellen Drahtlosnetzwerk, bauen im Kern auf Hochfrequenzlösungen.
‘Die JKU war und ist maßgeblich an diesen Entwicklungen beteiligt’, betont Lukas und verweist auf Beispiele wie das CD-Labor für Integrierte Radarsensoren, das CD-Labor für digital unterstützte Hochfrequenz-Transceiver in zukünftigen mobilen Kommunikationssystemen, EUProjekte DOTFIVE, DOTSEVEN und TARANTO, alle an vorderster Front im Bereich bipolarer Technologien für Hochfrequenzschaltkreise. Know-how der Kepler Universität im Bereich Hochfrequenz steckt weltweit millionenfach sowohl in der Hardware modernster Smartphones als auch in Kfz-Radarsensoren, die mittlerweile von der Oberklasse bis zum Kleinwagen verbaut werden.
Im Bereich Hochfrequenz steht an der JKU eine österreichweit einzigartige Messtechnik (z.B. zur Messung an integrierten Chips bis 500 GHz) zur Verfügung, die im geplanten Silicon-Austria mm-Wellenlabor insbesondere für die kooperative Forschung (größere Halbleiterwafer, EMV) ausgebaut werden soll. Mit den Instituten Nachrichtentechnik und Hochfrequenzsysteme, Integrierte Schaltungen, Signalverarbeitung, Mikroelektronik und Mikrosensoren, Messtechnik, elektrische Antriebe und Leistungselektronik forscht und lehrt die Johannes Kepler Universität seit Beginn des Studiums der Mechatronik (1990) in den von Silicon Austria adressierten Themengebieten. Der Bereich elektronisch basierter Systeme (EBS) wurde durch die Einrichtung des Studiums der Elektronik und Informationstechnik (EIT) an der JKU vorausschauend ausgebaut.
Die JKU ist auch an dem neuen Zentrum für Symbiotische Mechatronik beteiligt. Das neu genehmigte COMET K2-Zentrum setzt seinen Forschungsschwerpunkt unter anderem auf die Anwendung von elektronisch-basierten Systemen im industriellen Umfeld. Diese Konstellation und die anwendungsorientierte Expertise der Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM) werden es erlauben, die Entwicklungsergebnisse im Bereich der elektronisch basierten Systeme in Form neuer industrieller Anwendungen rasch in die Wirtschaft zu transferieren. Das soll die Innovationskraft der Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung weiter nachhaltig steigern. Als etablierter Forschungsund Entwicklungspartner kann LCM auf ein starkes Netzwerk an Unternehmenspartnern verweisen. Die konkreten künftigen Forschungsschwerpunkte werden in Abgleich mit der Gesamtstrategie des Zentrums in der Aufbauphase entwickelt und inhaltlich festgelegt werden.
‘Die Kepler Universität kann auf Jahrzehnte an Erfahrung in der Entwicklung von Hochfrequenzsystemen verweisen, unsere Expertise ist unbestritten’, unterstreicht Rektor Lukas. ‘Das künftige Forschungszentrum profitiert von unseren Stärken in dem Bereich und bündelt das Wissen mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern aus den unterschiedlichsten Bereichen - ein weiteres wesentliches Beispiel der Linzer Ingenieurskunst.’
Innovationsschub schafft ganz neue Perspektiven
Die technosert electronic GmbH ist ein Elektronik-Dienstleistungsunternehmen und entwickelt für ihre Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen - beginnend bei der Industrie über die Logistik bis hin zu den Bereichen Medizin, Life Sciences sowie Smart Home - hochindividuelle Lösungen. Dabei deckt technosert den Bedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produktes ab: Von der Entwicklung und Produktion elektronischer Geräte über den Prototypen-Service bis zu hochkomplexen Röntgenanalysen elektronischer Bauteile.
’Die Forschungsund Entwicklungsarbeit von Silicon Austria wird einen massiven Innovationssprung bringen, von dem nicht nur die Firmen der heimischen Mikroelektronik-Branche, sondern auch die Unternehmen auf der Anwenderseite massiv profitieren werden. Durch eine intensive Fokussierung auf die Technologie, das damit verbundene Know-how und einem höchst kundenorientierten Service bietet technosert seinen Kunden höchste Qualität und Flexibilität bei der Lösung ihrer individuellen Herausforderungen, die von vielen internationalen Wettbewerbern aktuell nicht geboten werden kann’, sagt Johannes Gschwandtner, Chief Executive Officer der technosert electronic GmbH.
Für seine Kunden hat das Unternehmen den Prozess der fortschreitenden Digitalisierung von Anfang an aktiv mitbegleitet. Im Umbruch zu Industrie 4.0 geht es darum, trotz Flexibilität bis zur Losgröße 1 so effizient wie möglich zu sein. Das rapide steigende Volumen an vorhandenen Daten wird mehr Präzession ermöglichen. Das bedingt allerdings auch den schnellen Austausch, die effiziente Vernetzung und die rasche Auswertung von enormen Datenmengen. Dies ist als eine der großen Herausforderungen im fortschreitenden Prozess der Digitalisierung zu betrachten. Hier setzt die Hochfrequenztechnik an, die Basis für viele neue Innovationen im Bereich der unterschiedlichsten Anwendungen ist’, führt Johannes Gschwandtner weiter aus.


 
 
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