Neubewertung von "Tradition" und "Moderne"

Porträt der Prinzessin Chorschid Chanom des persischen Malers Abulhasan Ghaffari

Porträt der Prinzessin Chorschid Chanom des persischen Malers Abulhasan Ghaffari von 1843 (Privatsammlung).

Das Kolloquium der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft ist ein zentrales europäisches Forum für die Erforschung der Kunstgeschichte der islamischen Welt. Von 6. bis 9. Juli debattieren am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien internationale ExpertInnen zur Neubewertung wenig gewürdigter islamischer Kunst im 19.Jahrhundert. Eröffnet wird die Tagung vom renommierten türkischen Kunsthistoriker Ahmet Ersoy, der sich unter anderem mit der Rolle des Orients auf der Wiener Weltausstellung befasst.

Ziel des diesjährigen Kolloquiums unter dem Titel "Reassessing Nineteenth-Century Art in Islamic Countries" ist eine Neubewertung der wenig gewürdigten Kunst islamischer Länder im 19.Jahrhundert. Bislang spielte diese Zeit in Überblicksdarstellungen islamischer Kunstgeschichte kaum eine Rolle, da sie als Zäsur zwischen älteren Kunsttraditionen und einer Moderne nach europäischen Vorbildern gesehen wurde. Betont wurde bislang vor allem der europäische Einfluss. Dem stellt die Tagung die Frage nach Kontinuitäten, dem bewussten Festhalten an einheimischen Kunsttraditionen, ihrer Neuformulierung oder eines Rückgriffs auf ältere Vorbilder gegenüber. An der Debatte nehmen WissenschafterInnen aus mehreren Ländern Europas, dem Iran, der Türkei und den Vereinigten Staaten teil.

Auftakt des Kolloquiums ist ein Vortrag des renommierten türkischen Kunsthistorikers Ahmet Ersoy, der zuletzt mit seinem Buch über die Rolle des Orients auf der Wiener Weltausstellung aufhorchen ließ. Basierend auf osmanischen Quellen brachte Ersoy damit ganz neue Aspekte zur Geltung. Sein Vortrag mit dem Titel "Theater of cultural difference: Austro-Ottoman encounters at the 1873 Vienna World Exposition" widmet sich der Inszenierung osmanischer und österreichischer Positionen auf der vielbeachteten Weltausstellung im Prater. Vortragsort ist die (sonst der Öffentlichkeit nicht zugängliche) Zacherlfabrik in Wien Döbling. Rund zwanzig Jahre später errichtet, zeigt der Bau mit orientalisierenden Motiven die Auseinandersetzung österreichischer Architekten mit islamischer Kunst und die Nachwirkungen der Weltausstellung.

Noch bis einschließlich 6. Juli ist in der Aula des Instituts für Kunstgeschichte am Campus der Universität Wien die Ausstellung "Auf dem Weg zur islamischen Kunst" zu sehen. Sie zeigt historische Reisefotografien und Werke des deutschen Kunsthistorikers und Museumsdirektors Friedrich Sarre aus dem 19. und dem frühen 20.Jahrhundert. Die Ausstellung basiert auf Leihgaben des Museums für Islamische Kunst in Berlin, das von Sarre mitbegründet wurde.

Kolloquium Programm und Informationen:
kunstgeschichte.univ­ie.ac.at/fileadmin/user_upload/i_kunstgeschichte/Bilder_IKG/Bilder_events/events_sose_2017/EHG_Wien_Programm_23.06.2017.pdf

Ausstellung "Auf dem Weg zur islamischen Kunst":
kunstgeschichte.univ­ie.ac.at/ueber-uns/institutsnachrichten/sarre-ausstellung/#c147144

13. Kolloquium der Ernst-Herzfeld-Gesellschaft: "Reassessing Nineteenth-Century Art in Islamic Countries"
Zeit:
Donnerstag 6. Juli, bis Sonntag, 9. Juli 2017
Ort: Campus der Universität Wien, Hörsäle des Instituts für Kunstgeschichte und des Instituts für Musikwissenschaft, 1090 Wien, Hof 9, Spitalgasse 2

Vortrag Ahmet Ersoy, Bosporus-Universität Istanbul
Zeit:
Donnerstag, 6. Juli 2017, 18:30 Uhr
Ort: Zacherlfabrik, 1190 Wien, Nusswaldgasse 14


 
 
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