Was bedeutet "Nichtwissen" für die Demokratie?

©  Parker Johnson/unsplash / Lizenz

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Podiumsdiskussion zur Rolle von "Nichtwissen" in demokratischer Politikgestaltung

Am Dienstag, 13. und Mittwoch, 14. November beleuchten internationale WissenschafterInnen an der Universität Wien die Bedeutung von "Nichtwissen" in demokratischen Systemen. Die These, dass Nichtwissen (im Englischen "ignorance") eine strategische Rolle in Entscheidungsprozessen spielen kann und damit mancher politischen Unentschlossenheit entgegenkommt, hat in den letzten Jahren innerhalb der Sozialund Geisteswissenschaften an Prominenz gewonnen. Matthias Gross von der Universität Jena, Stefan Böschen vom RWTH Aachen und Ulrike Felt von der Universität Wien diskutieren am 13. November wie sich Nichtwissen mit dem klassischen Ideal einer evidenzund wissensbasierten Politik vereinbaren lässt. Lindsey McGoey von der University of Essex hält im Rahmen des internationalen Workshops am 14. November eine Keynote zu "Ignorance and non-knowledge".

Selbst im Informationszeitalter müssen politische Entscheidungen immer wieder unter der Voraussetzung radikaler Unsicherheit getroffen werden. Neben Wissen bestimmen auch Werte und Ideologie die Politikgestaltung, was BefürworterInnen von evidenzbasierter Politik oft als Störfaktor sehen. Ebenso wird Nichtwissen häufig als Leerraum betrachtet, den es mit neuem Wissen zu füllen gilt. Dabei werden Nichtwissen und Unsicherheit in politischen Auseinandersetzungen auch strategisch eingesetzt. Die öffentliche Podiumsdiskussion mit Matthias Gross (Universität Jena, Helmholtz Centre for Environmental Research - UFZ), Stefan Böschen (RWTH Aachen) und Ulrike Felt (Universität Wien) versucht am 13. November, die produktive Rolle von Nichtwissen in der Politikgestaltung zu beleuchten.

Am 13. und 14. November ergänzt der internationale Workshop "Ignorance and non-knowledge: what consequences for democratic governance, politics and policy?" mit einer Keynote von Linsey McGoey (University of Essex) das differenziertere Bild der Bedeutung von Nichtwissen in politischen Entscheidungen. Fallstudien aus der Politikwissenschaft, Soziologie und der Wissenschaftsund Technikforschung untersuchen dabei die Bedeutung von Nichtwissen als Ressource in demokratischen Prozessen. Entgegen der Vorstellung, dass demokratische Politikgestaltung sich auf das beste vorhandene Wissen gründen soll, erweist sich etwa gerade das Nicht-Einholen von Information für unterschiedlichste politische Akteure - etwa in der Migrations-, Gesundheitsoder Finanzpolitik - von Vorteil.

Der Workshop wird von Katharina T. Paul, Ingrid Metzler, Erik Aarden (Universität Wien), und Helene Sorgner (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) organisiert und durch die finanzielle Unterstützung des Forschungsschwerpunkts "Wissensgesellschaften in Zeiten turbulenten Wandels" der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien sowie des FWF, des Instituts für Politikwissenschaft und des Vereins STS Austria ermöglicht.

Podiumsdiskussion Wissenswert(e) Demokratie: Was hat Nichtwissen in evidenzbasierter Politik zu suchen?

Zeit: , 18:00 - 19:30
Ort: Alte Kapelle, Campus der Universität Wien, Hof 1, 1090 Wien, Spitalgasse 2

Internationaler Workshop Ignorance and non-knowledge: what consequences for democratic governance, politics and policy?
Zeit: Dienstag, 13. November 13:00 - 17:00 Uhr & Mittwoch, 14. November 2018 09:30 - 17:00 Uhr
Ort: Marietta-Blau-Saal, Universität Wien, 1010 Wien, Universitätsring 1