Rebecca Herzog erhält Stanley Shaldon Young Investigator Prize

Die Dialyseforschung an der MedUni Wien bestätigt mit mehreren Auszeichnungen ihren internationalen Spitzenplatz. So konnte Rebecca Herzog beim 56. Kongress der European Renal Association (ERA) and European Dialysis and Transplant Association (EDTA) in Budapest den renommierten Stanley Shaldon Young Investigator Prize entgegennehmen.

Rebecca Herzog ist PostDoc-Forscherin am Christian Doppler Labor für Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse (CDL-MSRPD), das an der MedUni Wien angesiedelt ist. Sie erhielt zuletzt auch den Best Basic Science Preis der europäischen Gesellschaft für Peritonealdialyse (EURO-PD) für ihren Vortrag über ein neues zellschützendes Additiv, an dem im CDL-MSRPD gearbeitet wird. Den Stanley Shaldon Preis erhält Rebecca Herzog für ihre Arbeiten zum Wirkmechanismus von Alanyl-Glutamin (ein Dipeptid) als Additiv in der Peritonealdialyse, bei denen unter anderem die Relevanz einer speziellen Proteinmodifikation gefunden wurde. Seit Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere beschäftigt sich Rebecca Herzog mit peritonealen Pathomechanismen und Schutzmöglichkeiten während dieser Form der Nierenersatztherapie, zuletzt vermehrt unter Einsatz systembiologischer Methoden. Die translationalen Studien wurden in hochrangigen Journalen der Nephrologie als auch im Bereich der Proteomicsund multi-disziplinären Forschung publiziert.

Vorläufiger Höhepunkt der gemeinsamen Forschung an der MedUni Wien ist eine erfolgreiche Phase-II-Studie zur Anwendung von Alanyl-Glutamin in Peritonealdialyseflüssigkeiten, für die Andreas Vychytil von der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien bereits den Best Abstract Award der Annual Dialysis Conference (ADC), sowie eine Keynote-Einladung bei der Weltkonferenz für Peritonealdialyse erhielt (Vychytil et al., "A randomized controlled trial of alanyl-glutamine supplementation in peritoneal dialysis fluid to assess impact on biomarkers of peritoneal health." Kidney Int 2018, dx.doi.org/10.1016/j.kint.2018.08.031) .

Innovationsführer bei der Bauchfelldialyse
Die innovative Forschung der MedUni Wien im Bereich der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) basiert auf enger Kooperation zwischen dem Bereich Peritonealdialyse an der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse (Leiter: Rainer Oberbauer) und dem Christian Doppler Labor für Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse an der Klinischen Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie (Leiter: Christoph Aufricht).
So ist an der MedUni Wien die weltweit einzige erfolgreiche klinische Studie (Phase II) auf dem Gebiet der Bauchfelldialyse durchgeführt worden: Bei regelmäßig durchgeführter Bauchfelldialyse kann das Bauchfell nach einiger Zeit ,,erschöpft" sein, wenn wichtige körpereigene Schutzmechanismen gegen die negativen Effekte der Dialyseflüssigkeiten nicht wirksam werden. Die Studie unter Leitung von Andreas Vychytil zeigt, dass die Beigabe einer neuartigen Peritonealdialyse-Lösung mit dem aktiven Inhaltsstoff Alanyl-Glutamin der Schädigung der Zellen in der Bauchhöhle, die durch die Dialyselösung verursacht wird, entgegenwirken und somit die Überlebenszeit der Peritonealdialyse verlängern könnte. Weitere erfolgversprechende klinische Studien zum Einsatz von neuen Substanzen zur Steigerung dieser Schutzmechanismen, sind in Kooperation mit dem Unternehmenspartner des CDL-MSRPD, der Zytoprotec GmbH, bereits in Vorbereitung.

Vorteile der Bauchfelldialyse
Eine der wichtigsten Aufgaben der Nieren ist es, Stoffwechselprodukte aus dem Blut zu filtern. Sind die Nieren dazu nicht mehr in der Lage, muss das Blut mittels Dialyse (Blutwäsche) künstlich gereinigt und entwässert werden. Das betrifft derzeit rund 5.000 Menschen in Österreich. Rund zehn Prozent von ihnen setzen die flexible Methode der Peritonealdialyse ein, bei der die Membran des Bauchfells als Filter verwendet wird. Andreas Vychytil erklärt die Vorteile gegenüber der klassischen Dialyse: Die Peritonealdialyse kann zu Hause durchgeführt werden, gibt den Patienten mehr Flexibilität und kann die Lebensqualität erheblich verbessern. Durch die gefäßschonende Form der Entfernung von überschüssigem Wasser und gelösten harnpflichtigen Stoffen, kann eine noch vorhandene Restfunktion der Nieren oft besser erhalten werden als an der Hämodialyse. Allerdings sind die in der Bauchfelldialyse eingesetzten Lösungen immer noch alles andere als optimal. Hier setzt die Forschung der Gruppe an der MedUni Wien an. Innovative Lösungen sollen das Infektrisiko senken und das Peritoneum möglichst lange erhalten, um den Patienten ein möglichst normales Leben bzw. Wartezeit auf eine Transplantation zu ermöglichen.

Gemeinsames EU-Projekt
Die MedUni Wien ist an einem von der EU geförderten (Horizon 2020 ITN) Projekt zur Forschung auf dem Gebiet der Peritonealdialyse beteiligt. Das internationale Trainingsnetzwerk (ITN) mit Namen ,,IMPROVE-PD" finanziert insgesamt 15 Forschungsstellen für PhD-Studierende in europäischen Spitzenzentren. Vier dieser Positionen befinden sich an der MedUni Wien und werden von industriellen Kooperationspartnern unterstützt. Klaus Kratochwill, Leiter des Christian Doppler Labors und Leader des Workpackage ,,Treat", das sich innerhalb des IMPROVE-PD Projekts gezielt mit der Erforschung neuer Therapieoptionen und Lösungen beschäftigt, erklärt die Vorteile dieses Forschungsnetzwerks: ,,In IMPROVE-PD nehmen die führenden europäischen Forschungsgruppen in der Peritonealdialyse wichtige klinische Probleme, vor allem das Risiko von kardiovaskulären Komplikationen von Dialysepatienten in Angriff. Das EU-Projekt stellt einen internationalen Schwerpunkt in der Forschung an lebenserhaltender Peritonealdialyse dar, die MedUni Wien gilt dabei als Vorzeige-Location für die Integration translationaler Forschung und Entwicklung innovativer Produkte."


Publikationen:
o Herzog, R., T. O. Bender, A. Vychytil, K. Bialas, C. Aufricht and K. Kratochwill (2014). "Dynamic O-linked N-acetylglucosamine modification of proteins affects stress responses and survival of mesothelial cells exposed to peritoneal dialysis fluids." J Am Soc Nephrol 25(12): 2778-2788. dx.doi.org/10.1681/ASN.2013101128
o Herzog, R., L. Kuster, J. Becker, T. Gluexam, D. Pils, A. Spittler, M. K. Bhasin, S. L. Alper, A. Vychytil, C. Aufricht and K. Kratochwill (2017). "Functional and Transcriptomic Characterization of Peritoneal Immune-Modulation by Addition of Alanyl-Glutamine to Dialysis Fluid." Sci Rep 7(1): 6229. dx.doi.org/10.1038/s41598-017-05872-2
o Herzog, R., M. Boehm, M. Unterwurzacher, A. Wagner, K. Parapatics, P. Majek, A. C. Mueller, A. Lichtenauer, K. L. Bennett, S. L. Alper, A. Vychytil, C. Aufricht and K. Kratochwill (2018). "Effects of Alanyl-Glutamine Treatment on the Peritoneal Dialysis Effluent Proteome Reveal Pathomechanism-Associated Molecular Signatures." Mol Cell Proteomics 17(3): 516-532. dx.doi.org/10.1074/mcp.RA117.000186
o Vychytil, A., R. Herzog, P. Probst, W. Ribitsch, K. Lhotta, V. Machold-Fabrizii, M. Wiesholzer, M. Kaufmann, H. Salmhofer, M. Windpessl, A. R. Rosenkranz, R. Oberbauer, F. Konig, K. Kratochwill and C. Aufricht (2018). "A randomized controlled trial of alanyl-glutamine supplementation in peritoneal dialysis fluid to assess impact on biomarkers of peritoneal health." Kidney Int 94(6): 1227-1237. dx.doi.org/10.1016/j.kint.2018.08.031