Jeder zweite Erwachsene bewegt sich zu wenig - ÖsterreicherInnen sitzen im Durchschnitt 5,3 Stunden am Tag

In Österreich erfüllen lediglich 47% der Erwachsenen (48% der Männer und 45% der Frauen) die ausdauerbezogenen Mindestempfehlungen für körperliche Aktivität. Im Durchschnitt sitzen die Österreicherinnen täglich rund 5,3 Stunden. Das ergibt eine Auswertung heimischer ForscherInnen für das Global Observatory for Physical Activity. Diese Charts wurden kürzlich für 162 Länder weltweit publiziert. Auch die österreichischen Empfehlungen für körperliche Aktivität wurden gemäß der aktuellen wissenschaftlichen Literatur überarbeitet und neu aufgelegt und publiziert. Empfohlen wird nun ein Bewegungsbereich von mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche. Die Projektleitung lag bei Sylvia Titze von der Universität Graz und Thomas Dorner von der MedUni Wien.

Das Global Observatory for Physical Activity- (GoPA) ist eine internationale Organisation, die sich aus ForscherInnen für körperliche Aktivität, EpidemiologInnen, EntscheidungsträgerInnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und PraktikerInnen zusammensetzt und globale Daten zu körperlicher Aktivität und Gesundheit katalogisiert und analysiert. Damit lassen sich die Bewegungsaktivitäten der Menschen verschiedener Länder vergleichen. Die österreichischen Bewegungscharts gibt es hier.

Bewegungsminimum von 150 bis 300 Minuten pro Woche empfohlen
Auch die neuen Österreichischen Bewegungsempfehlungen wurden um Zielgruppen erweitert und sind formuliert für: Kinder im Kindergartenalter, Kinder und Jugendliche, Erwachsene, ältere Erwachsene, Frauen während einer unkomplizierten Schwangerschaft und danach. Auch Erwachsene mit chronischen Erkrankungen und Menschen mit Körper-, Sinnesoder Mentalbehinderungen wurden eingeschlossen.

Für Erwachsene wird statt eines Bewegungsminimums (mindestens 150 Minuten pro Woche) nun ein Bewegungsbereich (mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche) empfohlen. Nachdrücklich wird bei allen Zielgruppen darauf hingewiesen, dass sitzende Tätigkeiten immer wieder unterbrochen werden sollen.
Mit Empfehlungen für muskelkräftigende Übungen vor den ausdauerorientierten Bewegungsempfehlungen wird auf die Wichtigkeit muskelkräftigender Aktivitäten aufmerksam gemacht. Anders als bei den zuletzt publizierten Bewegungsempfehlungen aus dem Jahr 2010 ist eine Dauer der Bewegung von mindestens 10 Minuten am Stück nicht mehr zwingend vorausgesetzt, damit diese als gesundheitswirksam gilt.

Knapp 8 Prozent aller Todesfälle in Österreich sind auf Mangel an körperlicher Aktivität zurückzuführen, weltweit sind es 9 Prozent. ,,In Zukunft dürfte durch die einschränkenden Maßnahmen durch COVID und vor allem den Wegfall von alltäglichen Wegstrecken durch vermehrtes Homeoffice der Anteil der dem Bewegungsmangel zuschreibbaren Todesfälle deutlich mehr werden", erklärt Thomas Dorner von der Abteilung für Sozialund Präventivmedizin der MedUni Wien.

In Bezug auf bewegungsfördernde Politik und Forschung im Bereich Bewegung steht Österreich im internationalen Vergleich relativ gut da. Zur Forschung in diesem Bereich hat auch die MedUni Wien durch viele Publikationen im Bereich Bewegung und Gesundheit beigetragen. Im Jahr 2017 wurde das Österreichische Bewegungsmonitoringsystem eingeführt, das in gewissen Abständen wiederholt werden soll, um Trends des Bewegungsverhaltens darstellen zu können. Eine erste Publikation aus diesem Bewegungsmonitoringsystem, in dem die einzelnen österreichischen Bundesländer in Bezug auf Bewegungsverhalten, bewegungsförderliche Umwelt und Gesundheit analysiert wurden, wurde ebenfalls kürzlich publiziert.

Österreichische Bewegungsempfehlungen für Erwachsene und ältere Erwachsene ohne und mit Körper-, Sinnesoder Mentalbehinderung sowie für Menschen mit chronischen Erkrankungen
Sylvia Titze, Christian Lackinger, Christian Fessl, Thomas Ernst Dorner, Verena Zeuschner;
Gesundheitswesen 2020, DOI 10.1055/a-1205-1285
www.ncbi.nlm.nih.gov­/pmc/articles/PMC7521660/pdf/10-1055-a-1205-1285.pdf

Bewegungsdeterminanten, Erfüllung der Empfehlungen für ausdauerorientierte Bewegung und Gesundheit: Ergebnisse einer Korrelationsstudie aus den österreichischen Bundesländern
Thomas Ernst Dorner, Sandra Haider, Christian Lackinger, Ali Kapan, Sylvia Titze;
Gesundheitswesen 2020, DOI 10.1055/a-1191-4309
www.ncbi.nlm.nih.gov­/pmc/articles/PMC7521624/pdf/10-1055-a-1191-4309.pdf


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