"Ich bin halt der gute Diktator."

Um die Vorgaben des Friedensvertrags numzusetzen installierte die internationale

Um die Vorgaben des Friedensvertrags numzusetzen installierte die internationale Gemeinschaft erstmalig das Amt eines Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina (© Jennifer Boyer, flickr.com , CC BY 2.0 ).

Präsentation der Forschungsergebnisse zum Demokratisierungsprozess in Bosnien und Herzegowina Der österreichische Spitzendiplomat Wolfgang Petritsch übte von 1999 bis 2002 das Amt des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina aus. Mit dem Forschungsprojekt: "Durch ’Autokratie’ zur Demokratie?" hat nun ein Team am Franz Vranitzky Chair for European Studies (FVC) erstmals die Kommunikationsund Aushandlungsprozesse dieses "Diktators wider Willen" mit internationalen und innerbosnischen AkteurInnen dokumentiert und analysiert. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Montag, 3. Dezember, präsentiert das FVC-Team die wesentlichen Untersuchungsergebnisse und diskutiert diese anschließend gemeinsam mit Wolfgang Petritsch.

Mit dem Friedensabkommen von Dayton sollte der zwischen 1992 und 1995 wütenden Bosnienkrieg beendet werden. Um dessen zivile Vorgaben umzusetzen, installierte die internationale Gemeinschaft erstmalig das Amt eines Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina. Das Forschungsprojekt "Durch ’Autokratie’ zur Demokratie?" am Franz Vranitzky Chair for European Studies widmete sich der Rekonstruktion der Politik und der Kommunikation des ersten österreichischen Hohen Repräsentanten Wolfgang Petritsch (1999 bis 2002). Als Beauftragter der internationalen Gemeinschaft war er in diesem Friedensund Demokratisierungsprozess gleichwohl mit "autokratischen" Vollmachten ausgestattet.

"Ich bin halt der gute Diktator. Mir ist es aber um etwas Anderes gegangen." Mit dieser Sentenz bringt Petritsch die Widersprüche zwischen Auftrag und Alltag seines Amtes, all die Konflikte zwischen den Erfahrungen und Erwartungen der internationalen Staatengemeinschaft und den Menschen in Bosnien und Herzegowina auf den Punkt. Der Diplomat stand in seiner Rolle im Zentrum eines komplexen Netzes von Instanzen und Institutionen, von AkteurInnen und von Menschen, die höchst unterschiedliche Interessen verfolgten und die divergierende Verständnisse von Demokratie und konträre Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit hatten.

Das offenbaren nicht zuletzt die unzähligen Dokumente, die Petritsch dem Archiv des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien überantwortete. In diesem Vorlass befinden sich seine Korrespondenzen mit den unterschiedlichen AkteurInnen auf internationaler wie innerbosnischer Ebene. Dieser Quellenbestand, die "Petritsch Papers", dokumentiert in einzigartiger Weise die Ambivalenzen und Paradoxien dieses Amtes.

Die WissenschafterInnen am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften und an der Zeitgeschichte der Universität Wien haben diese Verhandlungen und Aushandlungen rekonstruiert, um die Interaktionen und Interventionen des Hohen Repräsentanten Wolfgang Petritsch aus einer interdisziplinären Perspektive zu beleuchten, die geschichtsund kommunikationswissenschaftliche Zugänge miteinander verzahnt. Im Rahmen der Veranstaltung werden die wesentlichen Untersuchungsergebnisse präsentiert und daran anschließend gemeinsam mit Wolfgang Petritsch sowie Silke Satjukow von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Anna Geis von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Sanja Bojani? von der Universität Rijeka diskutiert.

Abschlussveranstaltung "Ich bin halt der gute Diktator" Zeit: Montag, 03. Dezember 2018, 18 bis 20 Uhr
Ort: Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, 1190 Wien, Armbrustergasse 15

Anmeldungen unter Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) Hahngasse 6/1/24, Tel.: +43 1 319 72 58-0, E-Mail: idm [at] idm (p) at

Programm der Abschlussveranstaltung:
franzvranitzkychair.­univie.ac.at/
http://www.idm.at/