Elsevier übergibt Originalzeichnungen des Pernkopf-Anatomieatlas an die Medizinische Universität Wien

Elsevier, ein auf Wissenschaft und Gesundheit spezialisiertes Information-Analytics Unternehmen, hat Originalzeichnungen sowie weitere Materialien des berühmten Pernkopf-Atlas für Anatomie aus seinem Bestand an die Sammlungen der Medizinischen Universität Wien (Josephinum) übergeben. Zusätzlich fördert Elsevier die Digitalisierung, Erschließung und Katalogisierung des Bestandes mit einer Summe von 30.000 Euro. Ein Beitrag zu diesem Thema ist heute im Journal Annals of Anatomy erschienen (doi.org/10.1016/j.aa­nat.2021.151693).

Eduard Pernkopf (1888-1955) war 1933 Leiter des zweiten anatomischen Instituts und wurde 1938 Dekan der medizinischen Fakultät und 1943 Rektor der Universität Wien. Mitverantwortlich für seine steile Karriere an der Universität ab dem sogenannten "Anschluss" Österreichs an NS-Deutschland 1938 war dabei sein frühes Engagement für den Nationalsozialismus (Pernkopf trat 1933 der NSDAP, 1934 der SA bei). Weltweites Renommee erreichte Pernkopf mit seinem anatomischen Atlas, der heute noch von vielen als Standardwerk gesehen wird.

Eine ExpertInnenkommission der Universität Wien kam 1998 den internationalen Forderungen nach einer geschichtlichen Aufarbeitung des Pernkopf-Atlas nach und stellte fest, dass hingerichtete Opfer der NS-Justiz aller Wahrscheinlichkeit nach als Vorlage für die anatomischen Zeichnungen dienten. Das anatomische Institut in Wien erhielt insgesamt die toten Körper von mindestens 1.377 hingerichteten Personen, darunter auch viele Mitglieder des Widerstands gegen das NS-Regime.

Mit dem Erwerb des Herausgeberverlags des Pernkopf-Atlas, Urban & Fischer (ursprünglich Urban & Schwarzenberg), im Jahr 2003 gingen die Originalzeichnungen und Publikationsrechte an Elsevier. Basierend auf Elseviers ethischen und geschäftlichen Standards wurden der Druck sowie die Lizenzierung des Atlas und seiner Illustrationen eingestellt.

Im Rahmen der im Dezember 2019 signierten Schenkungsvereinbarung zwischen Elsevier und der Medizinischen Universität Wien gehen die erhaltenen Zeichnungen und Exemplare des Pernkopf-Atlas nun zurück an die Herkunftsstätte. Die Übergabe an das Josephinum gewährleistet fachgerechte Archivierung, Konservierung und Digitalisierung, sowie die Zugänglichkeit vor allem für die zeitgeschichtliche Forschung.
,,Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte haben wir früh den Entschluss gefasst, den Atlas nicht mehr zu verlegen. Dennoch sind wir uns bewusst, dass die Zeichnungen für Wissenschaftler von Bedeutung sind, insbesondere für solche, die im Bereich der Medizingeschichte und -ethik arbeiten. Das Josephinum und die MedUni Wien sind dafür die am besten geeigneten Partner, deren wichtige Arbeit wir auf diese Weise unterstützen möchten", sagte Nick Fowler, Chief Academic Officer bei Elsevier.

,,Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, die Vergangenheit der Medizinischen Universität historisch aufzuarbeiten und der öffentlichkeit transparent zugänglich zu machen. Das Josephinum und die mit Herwig Czech kürzlich neu besetzte Professur für Geschichte der Medizin leisten mit der Arbeit zur Rolle Pernkopfs im Nationalsozialismus einen wichtigen Beitrag. Mit der Übernahme der Originalzeichnungen von Elsevier möchten wir diese Arbeit im Sinne der Angehörigen und der öffentlichkeit weiterführen und vertiefen", ergänzte Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien.

,,Der Pernkopf-Atlas galt unter Ärzten, Wissenschaftlern und Studenten jahrzehntelang als wichtiges anatomisches Werk, das zum Teil noch heute genutzt wird. Gerade deshalb liegt es als Nachlassverwalter der Pernkopf-Sammlung in unserer Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten und die schockierende Entstehungsgeschichte gemeinsam mit Historikern und Experten weiter offenzulegen. Wir bedanken uns bei Elsevier, die diese Arbeit mit ihrer Spende maßgeblich unterstützen", so Christiane Druml, Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik und Direktorin des Josephinum.

Die Schenkung ist unter maßgeblicher Beteiligung von Sabine Hildebrandt, M.D., Associate Professor of Pediatrics der University of Harvard, zustande gekommen, die mit ihrer ihrer langjährigen Expertise beratend zur Seite stand.


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