Neue Umweltrichtlinien für Nanomaterialien

(© UCL MAPS/O. Usher/CC BY 2.0)

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OECD Richtliniendokument für Umweltbewertung von Nanomaterialien entsteht unter österreichischer Leitung

Für die Risikobewertung für Chemikalien in Nanoform sind neue Testmethoden und Richtlinien notwendig, da Nanomaterialien potenziell über andere Eigenschaften verfügen als dieselben Materialien in Nicht-Nanoform. Geänderte Informationsanforderungen für Nanoformen eines Stoffes wurden mittlerweile auch im Rahmen der Europäischen Chemikaliengesetzgebung REACH beschlossen, um langfristig den Schutz von Gesundheit und Umwelt zu gewährleisten. Die Umweltgeowissenschafter Frank von der Kammer und Thilo Hofmann von der Universität Wien arbeiten nun mit ihrem Team an der Entwicklung neuer Richtlinien.

Nanomaterialien sind gezielt im nanometer-maßstab hergestellte Materialien mit räumlichen Ausdehnungen im Bereich von 1 bis 100 Nanometer und sind damit über 1000-mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars. Dies können Partikel sein, wie die UV-Schutzfilter in manchen Sonnencremes (auf Basis von Titandioxid), dünne Beschichtungen oder Drähte und Röhren (z.B. Kohlenstoffnanoröhren). Gemeinsam ist ihnen, dass sie besondere und von größeren Strukturen abweichende Eigenschaften haben. Gerade die partikuläre Struktur und die abweichenden Eigenschaften erfordern Testverfahren, die sich von denen für gewöhnliche Chemikalien unterscheiden.

Auf Ebene der EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird mit Nachdruck an der Erstellung von neuen Testmethoden und Richtlinien für Nanomaterialien gearbeitet. In diesem Rahmen entwickeln das Team von Frank von der Kammer und Thilo Hofmann (EDGE) von der Universität Wien am Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft unter organisatorischer Leitung des Umweltbundesamts und Supervision des BMNT ein neues OECD Richtliniendokument.

Dieses soll Hilfestellung bei der Bewertung möglicher Umwandlungsprozesse von Nanomaterialien in der Umwelt bereitstellen. Gerade Nanopartikel, das heißt Partikel im Größenbereich von 1 bis 100 Nanometer, können sich in der Umwelt umwandeln. Sie können sich auflösen, miteinander oder mit anderen Partikeln agglomerieren oder neue, anders zusammengesetzte Partikel bilden. Diese neu gebildeten Partikel haben oft andere Eigenschaften und können weniger oder stärker toxisch wirken. Finden diese Umwandlungsprozesse statt, müssen Verfahren zur Bewertung des potentiellen Risikos diese neuen, umgewandelten Partikel mit berücksichtigen. Forschungsarbeiten zur Erstellung dieser Richtlinie werden durch das EU-Projekt Gov4Nano finanziert. Auf OECD- Ebene finanziert das BMNT die Koordinierungsarbeiten - eine Förderung dieser Aktivitäten ist auch Teil des Österreichischen Aktionsplans Nanotechnologie.

Der Projektentwurf wurde nun am entsprechenden OECD-Meeting in Paris bestätigt und offiziell in das OECD-Arbeitsprogramm für Testmethoden und Richtliniendokumente aufgenommen. Bis Ende 2021 ist geplant, einen finalen Entwurf zur Abstimmung vorzulegen.
Die Umweltgeowissenschafter Thilo Hofmann und Frank von der Kammer forschen seit mehr als 20 Jahren im Bereich der Analytik und des Umweltverhaltens von natürlichen und technischen Nanomaterialien. Mit Hilfe einer weltweit einzigartigen Laborausstattung zur Untersuchung von nanoskaligen Umweltprozessen wurden bereits Methoden zur Messung von Nanomaterialien in Lebensmitteln und der Umwelt entwickelt und bereits 2017 die erste OECD Testmethode zur Bestimmung des Umweltverhaltens von Nanomaterialien erstellt ( OECD Testrichtlinie TG 318 ).


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