Dietrich Kraft als Legende der Allergologie

Das internationale Fachjournal ,,Allergy - European Journal of Allergy and Clinical Immunology" (IF 6.0) würdigt den österreichischen Allergologen Dietrich Kraft in seiner aktuellen Ausgabe (2019, 1-3) als ,,Legende der Allergie". Dietrich Kraft hat die Allergieforschung in Österreich auf molekularbiologischer Basis neu etabliert und so einen wichtigen Impuls für den Wissenschaftsstandort Wien gegeben.

Der Begriff Allergie wurde 1906 von dem österreichischen Wissenschafter und Kinderarzt Clemens Freiherr von Pirquet, dem Leiter der Universitäts-Kinderklinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien von 1912 bis 1929, geprägt. Danach wurde eine große Lücke in die Allergieforschung bis in die 1960er Jahre gerissen, wissenschaftliche Grundlagenuntersuchungen fanden praktisch nicht statt. Dietrich Kraft hat die Allergieforschung in Österreich auf molekularbiologischer Basis neu etabliert und so den Grundstein für die heutige allergologische Spitzenforschung an der MedUni Wien gelegt.

Dietrich Kraft, geboren 1937 in Innsbruck, studierte Medizin an den Universitäten Wien und Hamburg und promovierte 1965 an der Universität Wien. Im Jahr 1976 übernahm er die Leitung der Forschungsgruppe Allergie und Immunologie an der Abteilung für Allgemeine und Experimentelle Pathologie. Gemeinsam mit Helmut Rumpold arbeitete er an der Charakterisierung von natürlichen Killerzellen (NK), stellte einen der ersten monoklonalen Anti-NK-Antikörper her und demonstrierte das Vorhandensein von Antigenen, die NK-Zellen und neuronales Gewebe gemeinsam haben.

Einsatz rekombinanter Moleküle
Ab 1983 widmete sich Kraft voll und ganz der Allergieforschung. Er merkte an, dass die für Hauttests und Hyposensibilisierung verwendeten Allergenlösungen nicht standardisiert waren und schlug vor, die in diagnostischen Tests und Impfstoffen verwendeten natürlichen Extrakte durch rekombinante Moleküle zu ersetzen, die rein und in großen Mengen hergestellt werden konnten. Er überredete Otto Scheiner, Helmut Rumpold und Michael Breitenbach, die von Forschungsaufenthalten in Mainz, San Diego bzw. Seattle nach Wien zurückgekehrt waren, an diesem Großprojekt mitzuarbeiten.

Vorerst war in Österreich keine Förderstelle bereit, in das Klonieren und die Produktion von rekombinanten Allergenen zu investieren. Schließlich erklärte sich Mayrhofer in Linz bereit, die Biomay Company unter der Bedingung zu finanzieren, dass Kraft den gleichen Betrag in die Firma investierte, was er auch tat. Anschließend rekrutierte er ambitionierte junge ForscherInnen aus den Bereichen Molekularbiologie und Medizin: Heimo Breiteneder, Karin Pettenburger, Erika Jarolim, Christof Ebner, Markus Susani, Rudolf Valenta und Barbara Bohle, gefolgt von Zsolt Szepfalusi, Karin Hoffmann-Sommergruber, Fatima Ferreira und Ursula Wiedermann.

Die ersten Untersuchungen von Krafts molekularer Allergologiegruppe konzentrierten sich auf das Hauptbirkenpollenallergen Bet v 1. Die erste Veröffentlichung behandelte die erfolgreiche Herstellung von Bet v 1 aus von Birkenpollen isolierter mRNA in einem zellfreies System.

Im Juli 1988 klonierte Heimo Breiteneder die Bet v 1-cDNA, gefolgt von Bet v 2 im Jahr 1990 durch Rudolf Valenta. Rekombinantes Bet v 1 und Bet v 2 wurden erstmals 1991 für Immunoblot-Tests zum Nachweis einer Sensibilisierung auf Birkenpollen verwendet.

Es war lange bekannt, dass Patienten mit Birkenpollenallergie beim Verzehr von Äpfeln sehr häufig an Symptomen leiden. Eine Studie mit Westernund Northern-Blots zeigte, dass die Kreuzreaktivität auf dem Vorhandensein homologer Proteine in Äpfeln und Birkenpollen beruht. Valenta entwickelte unter Verwendung mehrerer Allergene das Konzept der komponentenaufgelösten Diagnostik, um die Immuntherapie zu verbessern.Dieses Konzept wurde später zu einem im Handel erhältlichen Allergen-Microarray-Chip weiterentwickelt.

1992 wurde Dietrich Kraft zum Universitätsprofessor ernannt und Leiter der Abteilung für Immunopathologie am Institut für Pathophysiologie der Universität Wien (heute eine Abteilung der MedUni Wien). Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere erhielt er zahlreiche nationale und internationale Ehrungen.

Bleibender Einfluss
Dietrich Kraft genießt seit 2002 seinen Ruhestand. Sein Team veröffentlichte über 400 Artikel in international rezensierten Zeitschriften sowie Buchkapiteln. Motiviert von seinem berühmtesten Slogan "Tue Recht und scheue niemanden", betreute er mit Stolz viele medizinische und naturwissenschaftliche Doktorarbeiten und bildete 12 Postdocs aus (von denen acht eine Professur erhalten haben), die heute in der akademischen Gemeinschaft hoch angesehen sind.
Sein Schüler Heimo Breiteneder vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien wurde eingeladen, im Journal ,,Allergy" eine schriftliche Würdigung zu verfassen.