BRCA1-Mutation: Medikament gegen gefährlichen Brustkrebs in Sicht

Mit der beidseitigen Brustentfernung von Angelina Jolie ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt, zählt die erbliche BRCA1-Mutation zu den gefährlichsten Brustkrebsarten: 80% der Trägerinnen erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, 50% an Eierstockkrebs. In Zukunft könnte sich das jedoch ändern - aufgrund eines vorbeugend wirkenden Impfstoffs, der derzeit in einer von der MedUni Wien geleiteten internationalen Phase III-Präventionsstudie getestet wird.

Die einzige Möglichkeit zur Prävention bei einer BRCA1-Mutation war bisher die beidseitige Amputation der Brüste sowie die Entfernung der Eierstöcke. Verbunden mit diesen schweren Eingriffen sind in rund 25% aller Fälle - insbesondere bei der Brustentfernung und -rekonstruktion -Komplikationen und Beschwerden, etwa aufgrund von Reoperationen oder chronischen Schmerzen. Mit Denosumab ist nun erstmals eine therapeutische Alternative in Sicht, die dies - bei Bestätigung der Wirksamkeit in der nun anlaufenden, finalen Phase III-Studie - vermeiden könnte. Bei Denosumab handelt es sich um ein Präparat mit einem sehr günstigen Nebenwirkungsprofil, das in der Regel gut vertragen wird.


Osteoporose-Präparat gegen BRCA1-assoziierte Brustund Eierstockkarzinome

Der humane monoklonale Antikörper Denosumab wird bisher mit großem Erfolg zur Behandlung von Osteoporose eingesetzt und ist darüber hinaus auch bereits für die Prävention einer speziellen Art von Knochenmetastasen zugelassen. Im Rahmen einer Studie der österreichischen ABCSG Studiengruppe wurde Denosumab verabreicht, um die unter der antihormonellen Krebstherapiehäufig auftretende Osteoporose zu behandeln. Dazu Christian Singer, Leiter des Brustgesundheitszentrums der MedUni Wien und Leiter des Cluster Genetics und Epigenetics des Comprehensive Cancer Center (CCC): ,,Dabei zeigte sich, dass auch die Zahl von Rezidiven und Neuerkrankungen signifikant sank, das Präparat also eine präventive Wirksamkeit bei der Indikation Brustkrebs bewies. Josef Penninger konnte in einem weiteren Schritt die generelle präventive Wirksamkeit bei BRCA1-assoziierten Brustund Eierstockkarzinomen zeigen." In weiteren Studien bestätigte sich diese Erkenntnis und das Präparat bewies eine hohe Wirksamkeit.

Subkutane Injektion statt Brustund Eierstockentfernung
Geleitet wird das internationale Forschungsprojekt von Christian Singer, welcher die Studie initiierte und konzipierte. ,,Das AKH des Medizinischen Universitätscampus Wien ist eines von vier - Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg - österreichischen Zentren, an denen betroffene Frauen an der Studie teilnehmen können. Wien ist weltweit auch das erste Zentrum, an dem eine Studienteilnehmerin rekrutiert wurde", so Singer. Weltweit werden voraussichtlich insgesamt 2.918 gesunde Frauen mit einer BRCA1-Mutation an der Studie teilnehmen, neben Österreich sind auch Australien, Deutschland, Israel, Spanien, UK und die USA beteiligt. Im Rahmen der Studie erhalten die teilnehmenden Frauen während eines Zeitraums von 5 Jahren alle 6 Monate eine subkutane Injektion mit Denosumab.

Studie bietet Frauen mit BRCA1-Mutation erstmals eine nicht-invasive Alternative
Die Organisation und operative Abwicklung der Studie mit dem Namen ,,ABCSG 50/BRCA-P" erfolgt in Österreich mit lokalen Sponsoren durch den Verein ABSCG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group).

Voraussetzung für eine Teilnahme an der Studie sind folgende Voraussetzungen:
o Frauen im Alter von 25 bis 55 Jahren,
o die eine BRCA1-Mutation haben,
o zum Zeitpunkt der Rekrutierung für die Studie gesund sind,
o und sich keiner prophylaktischen Brustentfernung unterzogen haben.

Von besonderem Interesse ist eine Teilnahme an der Studie für all jene Frauen, die derzeit noch keine vorbeugende Brustentfernung durchführen lassen wollen oder bei denen eine solche Operation nicht in Frage kommt. Eine Schwangerschaft ist für Teilnehmerinnen nach Unterbrechung der Studienmedikation prinzipiell möglich, weiters ist eine Teilnahme auch bei bereits entfernten Eierstöcken möglich.

Teilnahme an der Studie ab sofort möglich
Frauen, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich ab sofort o bei der MedUni Wien (für Wien) unter der Telefonnummer (01) 40400-28010 bzw. per Mail christian.singer [at] meduniwien.ac (p) at o oder bei der ABSCG (für Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg) unter der Telefonnummer (01) 408 92 30 bzw. per Mail info [at] abcsg (p) at
für eine Teilnahme an der Studie melden.

Die Teilnahme an der Studie ist selbstverständlich kostenlos.

International bedeutende Studie aus Österreich
Bei der Studie handelt es sich um eine der größten und bedeutendsten in Österreich geleiteten medizinischen Studien der letzten Jahre. Aufgrund ihrer großen weltweiten Relevanz erhält die Studie massive finanzielle Unterstützung, beispielsweise vom Deutschen Ministerium für Wissenschaft und Bildung sowie dem US Verteidigungsministerium in der größten zu vergebenden Grant-Kategorie in Höhe von 10 Mio. US-Dollar.



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