Die eigene Haut retten

Forscherinnen des Instituts für Psychologie der Uni Graz haben untersucht, was b

Forscherinnen des Instituts für Psychologie der Uni Graz haben untersucht, was bei der Haut-Kratz-Störung im Gehirn passiert. Foto: Pixabay.com Alle Fotos anzeigen ForscherInnen gehen Ursachen der Kratz-Störung auf den Grund Reiben, Kratzen, Quetschen: Wer die Finger nicht von Pickel oder Krusten lassen kann und auch gesunde Hautstellen so lange bearbeitet bis Wunden entstehen, leidet an der so genannten Haut-Kratz-Störung, auch Skin Picking Disorder oder Dermatillomanie genannt. ‘Rund zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind von dieser erst seit 2013 anerkannten psychischen Störung betroffen’, erklären Anne Schienle und Univ.-Ass. Sonja Übel vom Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Die beiden Forscherinnen gingen der Krankheit in mehreren Studien auf den Grund und präsentieren ihre Ergebnisse in einem öffentlichen Vortrag am Donnerstag, 15. Dezember 2016, um 18 Uhr. Nach der Präsentation der Studienergebnisse und therapeutischen Ansätze laden die WissenschafterInnen zu einer Diskussion. Schienle und Übel beschäftigten sich in ihren Studien vor allem mit der Frage, welche emotionalen Prozesse der Krankheit zugrunde liegen und ob die betroffenen Personen hirnfunktionelle und strukturelle Besonderheiten aufweisen. ‘Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese PatientInnen mit einem verstärkten Selbstekel zu kämpfen haben und Schwierigkeiten bei der Regulation von emotionalem Erleben aufweisen’, schildert Schienle. ‘Das Kratzen empfanden sie als Belohnung.’ Außerdem stießen die Forscherinnen auf eine veränderte Repräsentation des Tastsinns für die Finger in der Großhirnrinde: Bei der bloßen Betrachtung von Hautunreinheiten wurde ein Areal aktiviert, das sonst nur bei direkter Berührung relevant ist. Aus der Gesamtheit der Daten haben die Wissenschaftlerinnen mögliche erste therapeutische Ansätze abgeleitet. ‘Neue potenzielle Behandlungsansätze umfassen das Trainieren von Techniken zur Regulation von Gefühlen, die Erhöhung der Selbstakzeptanz sowie sensorische Diskriminationsübungen, also das bewusste Üben der unterschiedlichen Wahrnehmungen von angenehmer oder unangenehmer Berührung’, fasst Übel zusammen. Zeit: Donnerstag, 15. Dezember 2016, 18 Uhr Ort: Hörsaal 02.21., Universitätsplatz 2/Dachgeschoß, 8010 Graz Freier Eintritt <span class="news-list-author" itemscope itemtype=" Erstellt von Gerhild Kastrun Ende dieses Seitenbereichs. Zur Übersicht der Seitenbereiche .

Forscherinnen des Instituts für Psychologie der Uni Graz haben untersucht, was bei der Haut-Kratz-Störung im Gehirn passiert. Foto: Pixabay.com

Reiben, Kratzen, Quetschen: Wer die Finger nicht von Pickel oder Krusten lassen kann und auch gesunde Hautstellen so lange bearbeitet bis Wunden entstehen, leidet an der so genannten Haut-Kratz-Störung, auch Skin Picking Disorder oder Dermatillomanie genannt. ‘Rund zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind von dieser erst seit 2013 anerkannten psychischen Störung betroffen’, erklären Anne Schienle und Univ.-Ass. Dr. Sonja Übel vom Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Die beiden Forscherinnen gingen der Krankheit in mehreren Studien auf den Grund und präsentieren ihre Ergebnisse in einem öffentlichen Vortrag am Donnerstag, 15. Dezember 2016, um 18 Uhr. Nach der Präsentation der Studienergebnisse und therapeutischen Ansätze laden die WissenschafterInnen zu einer Diskussion.

Schienle und Übel beschäftigten sich in ihren Studien vor allem mit der Frage, welche emotionalen Prozesse der Krankheit zugrunde liegen und ob die betroffenen Personen hirnfunktionelle und strukturelle Besonderheiten aufweisen. ‘Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese PatientInnen mit einem verstärkten Selbstekel zu kämpfen haben und Schwierigkeiten bei der Regulation von emotionalem Erleben aufweisen’, schildert Schienle. ‘Das Kratzen empfanden sie als Belohnung.’ Außerdem stießen die Forscherinnen auf eine veränderte Repräsentation des Tastsinns für die Finger in der Großhirnrinde: Bei der bloßen Betrachtung von Hautunreinheiten wurde ein Areal aktiviert, das sonst nur bei direkter Berührung relevant ist.

Aus der Gesamtheit der Daten haben die Wissenschaftlerinnen mögliche erste therapeutische Ansätze abgeleitet. ‘Neue potenzielle Behandlungsansätze umfassen das Trainieren von Techniken zur Regulation von Gefühlen, die Erhöhung der Selbstakzeptanz sowie sensorische Diskriminationsübungen, also das bewusste Üben der unterschiedlichen Wahrnehmungen von angenehmer oder unangenehmer Berührung’, fasst Übel zusammen.

Zeit: Donnerstag, 15. Dezember 2016, 18 Uhr
Ort: Hörsaal 02.21., Universitätsplatz 2/Dachgeschoß, 8010 Graz

Freier Eintritt