Zwei ERC Advanced Grants für Wissenschafter*innen der Universität Wien

Die Universität Wien freut sich über Advanced Grants für.. (© derknopfdruecker.c

Die Universität Wien freut sich über Advanced Grants für.. (© derknopfdruecker.com)

Hohe EU-Förderung für Informatikerin Monika Henzinger und Arabisten Stephan Procházka

Die Informatikerin Monika Henzinger und der Arabist Stephan Procházka erhalten je einen ERC Advanced Grant. Die EU-Förderungen werden in Grundlagenforschung investiert, um so unterschiedliche Themen wie den Schutz der Privatsphäre beim Zugriff auf Daten und die Rolle der Beduinen für die Sprachentwicklung des Arabischen zu erforschen. Insgesamt gingen damit bisher 85 ERC Grants an die Universität Wien; für Monika Henzinger ist es bereits der zweite ERC Advanced Grant nach 2013.

"ERC-Grants ermöglichen Spitzenforschung und sind ein wichtiger Indikator für die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Universität. Es ist beeindruckend, dass es Monika Henzinger und Stephan Procházka gelungen ist, je einen ERC Advanced Grant für die Universität Wien einzuwerben und somit inzwischen 85 ERC-Grants an die Uni Wien gingen", so Rektor Heinz W. Engl.

Schutz der Privatsphäre beim Zugriff auf Datenmengen Daten in Datenbanken ändern sich oft häufig, d.h. die Datenmengen sind dynamisch. Es gibt bereits Techniken, die Zugriff auf Daten ermöglichen und gleichzeitig die Privatsphäre eines jeden einzelnen schützen. Allerdings funktionieren diese Techniken nur, wenn die Daten keine Verbindung zueinander haben, sodass man von einem Datenpunkt keine Information über einen anderen ableiten kann.

Doch die Realität sieht anders aus, denn Daten stehen oft auch miteinander in Verbindung. Wenn z.B. eine Person von einem Ereignis betroffen ist und eine zweite sich in ihrer Nähe befindet, kann man, je nach Ereignis, von dieser Information ableiten, dass die zweite Person möglicherweise auch damit zu tun hat. Im neuen Projekt von Monika Henzinger werden Techniken entwickelt, die es erlauben, Informationen in dynamischen Datenbanken (mit einer gewissen Unschärfe) abzufragen, wie z.B. die Anzahl der von einem Ereignis betroffenen Personen, ohne dass dabei Informationen über eine einzelne Person preisgegeben werden.

Außerdem wird das Team um Monika Henzinger auch die Frage von speicherplatzsparenden und zeiteffizienten Techniken für diese Situationen erforschen.

über Monika Henzinger Monika Henzinger ist Professorin für Informatik an der Universität Wien und leitet die Forschungsgruppe Theorie und Anwendungen von Algorithmen. Sie promovierte 1993 an der Princeton University und arbeitete als Assistenzprofessorin an der Cornell University. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Digital Equipment Corporation, Direktor of Research bei Google Inc. und für Informatik an der EPFL Lausanne, bis sie 2009 an die Universitaet Wien wechselte. Sie erhielt viele Auszeichnungen, u. a. ein Ehrendoktorat der TU Dortmund, einen SIGIR Test of Time Award, den Preis der Stadt Wien für Naturund technische Wissenschaften und die Carus Medaille der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.
Sie ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der deutschen Akademie Leopoldina und der Academia Europaea, sowie ein Fellow der Association of Computing Machinery und der European Association of Theoretical Computer Science. Dies ist der zweite ERC Advanced Grant für Monika Henzinger, ihren ersten erhielt sie 2013.

Was ist beduinisches Arabisch? Keine andere Sprache der Welt wird seit so langer Zeit in einem so großen zusammenhängenden Gebiet gesprochen wie Arabisch. Diese enormen zeitlichen und räumlichen Dimensionen führten zur Herausbildung von zahlreichen lokalen Dialekten. Während in der europäischen Dialektologie geographische Faktoren besonders wichtig sind, lässt sich die Dialektlandschaft des Arabischen aber nur erklären, wenn man einen weiteren Faktor mit einbezieht: die zahlreichen nomadisch lebenden Gemeinschaften, die durch ihre hohe Mobilität ganz maßgeblich zur sprachlichen Dynamik beigetragen haben.

Aber obwohl die Dialekte der Beduinen - wie die arabischen Nomaden genannt werden - für das Verständnis sprachhistorischer Zusammenhänge eine große Rolle spielen, fehlen bis heute rein linguistische Kriterien für eine Definition, was "beduinisches Arabisch" nun eigentlich ist.
Gemeinsam mit einem Team aus Mitarbeiter*innen von der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird Stephan Procházka in seinem ERC-Projekt versuchen, durch die Anwendung interdisziplinärer Methoden dieses für die arabische Sprachgeschichte grundlegende Konzept besser zu verstehen. Ein Fokus liegt auf der Erhebung von neuen Daten durch Feldforschung; unter anderem in Saudi-Arabien, Jordanien, Sudan und Marokko. Ein weiterer innovativer Ansatz des Projekts ist die Einbeziehung gesellschaftlicher Parameter, insbesondere die Frage, ob das Vorherrschen von Stammesstrukturen und patriarchalen Gesellschaftsmustern den sprachlichen Konservativismus der Dialekte der Beduinen zu erklären hilft.

Über Stephan Procházka Stephan Procházka ist seit 2006 Professor für Arabistik an der Universität Wien, wo er 1990 auch promovierte und sich 2000 habilitierte. Seit seiner Promotion liegt sein Fokus auf den gesprochenen Varietäten des Arabischen, zu deren Beschreibung er auch zahlreiche Feldforschungen durchführte, unter anderem in Syrien und bei arabischen Minderheiten in der Türkei. Von 2004-2015 war er Präsident der Association Internationale de Dialectologie Arabe (Paris). Er ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Weitere Informationen zu den ERC-Preisträger*innen der Universität Wien: www.univie.ac.at/for­schung/forschung-im-ueberblick/erc-grants

Weitere Informationen:
http://erc.europa.eu/


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