MedUni Wien trauert um Gerhard Freilinger

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Gerhard Freilinger ist in der Nacht auf 28. November 2022 friedlich im Alter von 95 Jahren in Baden bei Wien entschlafen.

Geboren 1924 in Linz, besuchte Gerhard Freilinger das dortige Gymnasium, bevor er mit 15 Jahren 1941 einberufen wurde. Sein 17. Lebensjahr verbrachte er im damaligen Jugoslawien als Kriegsgefangener, bevor er nach Österreich zurückkehrte und die Kriegsmatura absolvierte. Seine Laufbahn als Mediziner begann 1947 in Innsbruck, wo er bis 1954 Medizin studierte. Danach war Gerhard Freilinger zwei weitere Jahre in Innsbruck tätig, darunter ein Jahr an der Dermatologischen und ein Jahr an der Chirurgischen Universitätsklinik. Es folgten Auslandsaufenthalte in den USA an der University of Iowa, Washington University, St. Louis und Cornell (NY).

Seine Facharztausbildung für Chirurgie absolvierte Gerhard Freilinger ab 1957 an der ehemaligen II. Chirurgischen Universitätsklinik. 1971 habilitierte er sich im Fach Chirurgie mit speziellem Fokus auf Plastische Chirurgie, und wurde 1975 zum ersten Extraordinarius für Plastische Chirurgie und zum Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie an der ehemaligen II. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien unter Prof. Navratil ernannt. Sein Hauptengagement war der neuromuskulären Rekonstruktion gewidmet, welche mit dem Einzug der Mikrochirurgie eine bedeutende Erweiterung der Therapiemöglichkeiten bot. Sein wissenschaftliches Oeuvre mit mehr als 200 Publikationen, Büchern und diversen Dokumentationsfilmen geben Zeugnis über seine vielfältigen Interessen. Sein persönliches Engagement als rekonstruktiver Chirurg galt seit 1967 auch Kriegsopfern chemischer Kriegsführung in Vietnam, Laos, Afghanistan und später auch in Angola und im Irak.

Sein umfassendes Wissen und Können hat Gerhard Freilinger als Abteilungsleiter an der MedUni Wien mit viel Enthusiasmus und Freude an seine Mitarbeiter weitergegeben und eine große Zahl hervorragender Leistungsträger, welche bis heute die Landschaft der Plastischen Chirurgie in Österreich nachhaltig prägen, ausgebildet. Zu den Mitarbeiter:innen der ersten Stunde zählten Jürgen Holle, Herbert Mandl, Manfred Frey, Maria Deutinger, Rupert Koller u.v.m.. Für sein Schaffen wurde Gerhard Freilinger im Jahr 1989 die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Nach seiner Emeritierung im September 1993 leitete Gerhard Freilinger noch für einige Jahre die Plastische Chirurgie im Privatspital Goldenes Kreuz. Er hat sich bis zuletzt diversen Agenden der Plastischen Chirurgie zugewandt und seinen 90. Geburtstag noch im Kreise ehemaliger Schüler:innen und anderer Wegbegleiter:innen gefeiert.

Gerhard Freilinger war ein ausgesprochener Familienmensch und oft mit seiner Frau und den drei Kindern in den Bergen. So hat er sich bis ins hohe Alter seine körperliche und mentale Fitness bewahrt. In liebevoller Weise hat sich der emeritierte Universitätsprofessor bis zuletzt um seine Frau gekümmert, die schon länger schwer erkrankt war. Sie ist ihm um wenige Wochen vorausgegangen.

Die Plastische Chirurgie verliert einen großen Chirurgen und Menschen. Gerhard Freilingers Wirken hat die Plastische Chirurgie in Österreich wesentlich geprägt, und sein Vorbild wird uns in Erinnerung bleiben.