Die Pluralisierung von Religion

Als Fazit der Studie ist eine

Als Fazit der Studie ist eine "Entkoppelung" von konfessioneller Zugehörigkeit und religiöser Praxis einerseits sowie Weltanschauung und Selbstverständnis andererseits festzustellen (© pexels.com, Rodolfo Clix ).

Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen verstehen sich als religiöse Menschen - Die persönliche Religiosität entkoppelt sich immer mehr von den Religionsgemeinschaften.

Der Forschungsverbund "Interdisziplinäre Werteforschung" der Universität Wien hat einen dritten und letzten Block von Ergebnissen der "Europäischen Wertestudie 1990 - 2018" (European Values Study - EVS) veröffentlicht, diesmal zum Thema Religion. Bei der EVS handelt es sich um eine Langzeituntersuchung, die nach 1990, 1999 und 2008 im ersten Halbjahr 2018 zum vierten Mal durchgeführt wurde. Ihre Stärke ist somit der Vergleich über mittlerweile fast 30 Jahre.

Viele religiöse Menschen und hoher Gottesglaube
Das Selbstverständnis religiös zu sein ist in Österreich unverändert hoch und erstaunlich stabil. Der Selbstbezeichnung als religiöse Person stimmen aktuell 63 Prozent der ÖsterreicherInnen zu. 29 Prozent geben an, keine religiöse Person zu sein und 4 Prozent bezeichnen sich selbst als überzeugte Atheisten. Gegenüber 2008 sind hier keine signifikanten Veränderungen zu beobachten.

Auch die weltanschaulich-kognitive Dimension bleibt weitgehend stabil. Aktuell geben 73 Prozent aller ÖsterreicherInnen an, an Gott zu glauben, ein im Vergleich zu 1990 geringer Rückgang von 4 Prozentpunkten. Betrachtet man allein konfessionell gebundene Christinnen und Christen, liegt der Glaube an Gott seit 2008 stabil bei 88 Prozent. Wie schon in den früheren Erhebungen, glaubt ein Drittel der Bevölkerung an einen persönlichen Gott (31 Prozent), die meisten an ein höheres Wesen oder an eine geistige Macht (48 Prozent).

Erosion kirchlicher Religiosität
Schon seit 1990 lassen die Ergebnisse der EVS im sozioreligiösen Feld Österreichs eine konstante Erosion traditionell kirchlich formatierter Religiosität beobachten: Jene Religiosität, in der religiöse Praxis wie Gebet und regelmäßiger Gottesdienstbesuch, Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche sowie ein konfessionelles Selbstverständnis eng zusammengehören, wird geringer. Zugleich zeigt sich eine wachsende Pluralisierung des sozioreligiösen Feldes.

Der Anteil von Personen mit römisch-katholischem Selbstverständnis wird kontinuierlich geringer. Während 2008 noch 73 Prozent angaben, dieser Konfession anzugehören, sind es 2018 63 Prozent. Demgegenüber pluralisiert sich Religiosität in Österreich durch einen Zuwachs orthodoxer und muslimischer Personen, zudem wächst die Zahl der ÖsterreicherInnen, die angeben, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören. Es ändert sich also weniger die Religiosität als solche als vielmehr die Zusammensetzung der Bevölkerung.

Gaben unter den ChristInnen römisch-katholischer, protestantischer und orthodoxer Zugehörigkeit 1990 noch 50 Prozent an, mindestens einmal im Monat den Gottesdienst zu besuchen, waren dies 2018 nur mehr 36 Prozent. Und auch die Gebetshäufigkeit sinkt in dieser Gruppe kontinuierlich.

Als Fazit ist eine "Entkoppelung" von konfessioneller Zugehörigkeit und religiöser Praxis einerseits und Weltanschauung und Selbstverständnis andererseits festzustellen. Religion verliert also kontinuierlich ihre Relevanz als eine Praxis, die das gesamte Leben prägt und fokussiert auf die Frage der Zustimmung des Glaubens an religiöse Vorstellungen und Lehren.

Die Europäische Wertestudie (EVS)
Die Europäische Wertestudie ist ein Projekt des Forschungsverbunds "Interdisziplinäre Werteforschung" der Universität Wien (Koordination: Christian Friesl). Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung von einem Team unter der Leitung der Politikwissenschaftlerin Sylvia Kritzinger durchgeführt. Eine Buchpublikation ist für das Frühjahr 2019 geplant.


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